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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Sinacher-Sonnenthal, Band 35
Seite - 256 -
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Seite - 256 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Sinacher-Sonnenthal, Band 35

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Solms-Zraunftls 266 Solms-Draunfels das Aß herauszuschießen, bestand aus der Pistole. Es ist dieser ganze Vorgang, da der Graf der ursprüngliche Beleidiger war. ein so eigenartiger, daß er zu tiefem Nachdenken und sonderbaren Schlüssen auffordert. Ueber den Vorgang des Duells lauteten die Berichte verschieden. und die über den Ausgang desselben bestürzten Secundanten stimmten selbst nicht in den Angaben überein. Der Prinz wußle. was ihm bevorstand, ging aber mit Ruhe seinem Tode entgegen. Er selbst wollte kein Blut an seiner Hand haben — das Bewußsein davon tröstete ihn noch auf dem Sterbebette — und er erklärte seinem Secundanten, daß er (ob- wohl gleichzeitiges Scbießen ausgemacht war) den Schuß des Gegners erwarten werde, und solle es stch ereignen, daß derselbe ihn fehle, so werde er in die Luft schießen. Rasch ging er nach dem Com» mando die fünf Schritte zur Barriöre vor und stellte sich ruhig auf, den Arm und den Lauf der Pistole nach oben ge» richtet. Die tödtliche Kugel ließ nicht auf sich warten; sie zerschmetterte ihm den Brustknochen und blieb im rechten 3un- genstügel sitzen. Er brach zusammen. Uebereinstimmend mit diesem Berichte erzählt ein zweites Blatt: Wenige Minu- ten vor dem Anstellen zum Zweikampf versicherte er — edelmüthig wie immer — einem der ihn begleitenden Aerzte, daß er seinem Gegner den ersten Schuß überlasse, und im Falle dieser einen Fehl- schuß machen 'sollte, er die eigene Waffe in die Luft feuern wcrde. „Doch ich zweiste, daß Ersteres geschehen werde", fügte der Prinz schnell bei, „denn mein Gegner ist ein schr guter Schütze und rücksichtslos". Nach anderer Version über den Vorgang beim Duell wäre der Prinz, nachdem daS Zeichen gegeben war. fünf Schritte vorgegangen, hatte dann salutirt und wäre im nämlichen Augen- blicke von der tödlichen Kugel des Geg- ners getroffen worden. Ob die Salu« tirung gegenüber dem älteren Ofsicier eine Courtoisie vor dem Schuffe sein sollte, oder ob Prinz SolmS sich nur dem Gegner zum Schuffe prasentirte und viel- leicht überhaupt nicht die Absicht hatte, zu schießen, dürfte wohl für immer ein Räthsel bleiben. Auffallend bleibt eS immerhin, daß er sich nach der Lage des empfangenen Schuffes in voller Front aufstellte. waS ein erfahrener Schütze im Duell nie thut, vielmehr nur die rechte Seite dem Gegner zukehrt und die Kopf- und Herzlinie mit Arm und Pistole zu decken sucht. Prinz SolmS hatte, als er sich tödtlich verwundet fühlte, noch so viel Kraft, daß er. sich umwendend, zu seinen Begleitern sagen konnte: „Ich danke Ihnen, meine Herren!" Darauf stürzte er zusammen. Interessant ist daS Verhalten des Prinz kurz vorher, ehe ec sich zum Duell begab. Er fuhr nämlich von seiner Wohnung im Arsenal, in eigener Equipage und selbst kutschirend, nur von einem Diener begleitet, nach dem Kampfplatz. Bevor er seine Wohnung im Arsenal verlassen hatte, beschenkte er den manipulirenden Feuerwerker seiner Compagnie mit 4000 Gulden in Bank» noten und bemerkte hiebei, daß dies viel»- leicht das letzte Geschenk sein werde. daS er gebe. I n seinem Schreibzimmer hinter- ließ der Prinz ein von ihm eigenhändig abgefaßtes Testament. Von feinen Be- sitzungen bezog der Prinz eine jährliche Rente von 84.000 Gulden. Die Kugel durchbohrte den Brustkorb fast in der Mitte und blieb in der Leber stecken, von wo sie am Tage des Duells um 2 Uhr Nachmittags unter großen Schwiecigkei- ten herausgenommen wurde. Wahrend derOperation lebte der Verwundete noch.
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Sinacher-Sonnenthal, Band 35
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Sinacher-Sonnenthal
Band
35
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1877
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
388
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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