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, Franz 189 Stel^ hamer, Franz
Von jenem Entzücken auf Rechnung dieses
Umstandes kommt; aber auch in aller Folge»
zeit übten diese Gesänge in ihrer Originalität.
Gesundheit und Frische und in ihrer oft
erhabenen Schönheit der Empfindungen einen
Reiz und Zauber auf das Gemüth aus. wie
wir eS nur gewohnt sind. uns an die ersten
unserer Dichter hinzugeben, und wie es
Ste lzham er's Vorgänger. Maurus L i n»
demaye s^Bo. XV, S. 20l) . nicht zu
Wege brachte. Wer das Land ob der Enns
kennt, wie es so zaubervoll von der Natur
hingedichtet ist, von seinen farbigen Alpen
angefangen bis in das reizende Hügelgewim«
mel seines fruchtbaren Landes hinaus, und
wer alle die Naturgerecktheit seiner Bewohner,
von der Güte und Innigkeit an bis zu aller
Schalkheit und Uebermüthigkeit hin, erlebt
hat, der findet alles dieses hier wieder. Die
Empfindungen sind die einfachen und starken
deS Landmannes und des ungebildeten, aber
naturtreuen Volkes: Heimatliebe. Elternliebe,
Anschauungen des Naturlebens. Scherz und
Spiel, Lustigkeit ul'd kecke Schalkheit. Die
Geschlechtsliebe spielt hier nicht die einseitige
dominirende Rolle, wie bei so vielen moder»
nen Dicktern, sondern st»,' ist eine schöne
Vlume des Lebens, aber weitaus nicht die
einzige; ja gerade die schönsten Gesänge
unseres Verfassers enthalten dieses Element
nickt. Die schönste Empfindung dieser Dich«
tungen ist.- Liebe der Mutter zum Sohne,
und umgekehrt. Ein anderes Element, dessen
unser Verfasser fast bis zur Meisterschaft
mächtig ist, ist die Komik und gemütbreiche
Selbstironie mancher Schwächrn seiner Lands»
leute, in welcher Ärt er uns öfter die plastisch
rundesten Gestalten vorspringen läßt, so daß
mit einem Scherze der ganze Mann dasteht."
— Die bei I . I . Weder in Leipzig ver«
legte „Illustrirte Zeitung" knüpft an eine
kurze biographische Skizze Stelzhamer's
folgende kritische Glosse: „Stelzhamer ist
ein echter Dichter, wie es Burns war;
er ist sozusagen mit seinem Volke, mit seiner
Heimat verwachsen und spricht die Empfin«
düngen seines Volkes in schön geordneten
Klängen aus. die von den Kennern des
Idioms mit Lust aufgenommen werden. Er
kennt jeden Strauch, jeden Bauin in seinem
herrlichen Lande, er kennt jeden Schmerz,
jede Lust in der Biust seines Volkes; Strauch
und Bäume stellt er anschaulich hin. Schmerz
und Lust rauschen in ungeschminkter Wahr»
heit von seinem klangqewohnten Munde. Stelzd am er ist das in Versen, was
Bertbolo Auerbach in.Prosa ist, nur mit
dem Unterschiede, daß Letzterer seine Dorf«
geschichten für ganz Deutschland mundrecht
gemacht. Elfterer nur ein Land. sein Volk
allein berücksichtigt, zufrieden mit der Anei»
tennung. die ihm von Wenigen ;u Th'il
ward, bei denen er wie das Kind im Hause
lebt. Er ist ein Singvogel, der sich nie weit
von seinem Neste entfernt, traulich an den
Ort gewöhnt, wo er die erste Nahrung erhal»
ten, wo er das erste Lied erlernt. Stelz,
Hain er ragt hoch empor über viele söge«
nannte Volksdichter, die im Dialekte müh'
sam schreiben, und neben ihm darf nur noch
Ka lten bru nne r genannt werden, der,
aus Oberösterreich stammend, ebenfalls die
Munoart des Volkes für seine Dichtungen
braucht."
IX. Einzelnes, i) St elzh am er's Name. Da
Stelz ha mer's Name gewöhnlich falsch
(mit zwei statt mit einem m) geschrieben
und ausgesprochen wird, so übernahm es
der Dichter selbst, die Schreibung seines
Namens richtigzustellen, und wir führen
seine eigenen Worte an: „Ich heiße mit
Namen voll und ganz > Pe te r. And rea ö.
Xaver. Franz. j 2telzhamer schreib'
ich mit Einem „m". > Das war den Leuten
stets unbequem. > Und wie wenig sie gaben
für's Leben her. > Im Namen bekam ich
immer mehr. l Oft hieß ich auch der — von
Piesenham. > Wenn ich vom Dorf mir den
Adel nahm, > Auck bad' ich — Heißt'S Ueber»
muth oder Muth! — > Um offen mein Frei»
recht zu zeigen — > Vom Vaterhaus gründ«
büchlich „Freieigen", > Sieoengütl" mick öfter
und „Siebengut" > Zu tituliren und schreiben
geruht; I Und adelt mich einmal ein Poten»
tat, > Nun gut. so weiß man mein Prädicat."
— 2) Cajetan Cerri's Silhouette Stelz«
ha mer's. Cajet^n Cerri hat in seinrn
„Silhouetten österreichischer Poeten", welche
seiner Zeit die „I l is" brachte, im December
1850 auch jene Stelzhamer's mit folgen»
den Worten gezeichnet: „Eine wahrhaft ori»
ginelle Erscheinung und eine durch nno durch
ursprüngliche, kernige ungeschminkte Natur;
groß. hager, längliches, stark gerötheieö.
etwas narbiges Gesicht, kleines, aber klares
und offenes Auge; wenig Haare, blond und
lang; Schnurr, und Backenbart ditto; schlich«
tes, manchmal derbes Benehmen, aber ge«
müthlich und warm; nicht wenig Selbstbe«
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Stehlik-Stietka, Volume 38
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Stehlik-Stietka
- Volume
- 38
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1879
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 398
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon