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Sturm, Eduard 226 Sturm, Eduard
er zu den thätigsten Mitgliedern des»
selben, war Mitglied von nicht weniger
denn neunzehn Ausschüssen und der Reg»
nicolar «Deputation, fungirte u. a. als
Berichterstatter über das Eiecutionsgesetz
und die neue Geschäftsordnung des Ab»
geordnetenhauses. I n allen wichtigeren
Fragen ergreift er das Wort. So er»
regte im December 1878 seine Rede
in der Wehrgesetzdebatte großes Auf-
sehen. Er verlangte offen Herabmin.
derung des Kriegsbudgets und behan-
delte bei seiner Forderung diese Frage
eingehend. Als dann im Jänner 1879
im Abgeordnetenhause die Debatte über
den Berliner Vertrag stattfand, griff er
als Generalredner der Opposition das
Ministerium in schonungsloser Weise an.
verfehlte aber insofern alle Wirkung, als
die Angriffe ein Ministerium trafen,
welches ja schon im October 1878 seine
Demission gegeben und nur noch interi»
mistisch die Geschäfte fortführte. Bei der
im Mai 1879 siattgefundenen Wahl«
bewegung für das neu zusammentretende
Abgeordnetenhaus erschien Dr. S tu rm
wieder als einer der Führer der beiden
Fortschrittsparteien, welche sich als
Gegner der Occupation erklärten und
überhaupt der Andrafsy'schen Politik sich
entgegenstellten. Diese beiden Parteien,
uon denen die eine Dr. Herbst, die
andere S t u r m in Gemeinschaft mit
Oi-. Kopp führte, und zu welchen sich
noch das Fähnlein sogenannter „demo-
kratischer" Abgeordneter gesellte, ver«
einigten sich dann zur Bildung einer
neuen „österreichischen Reformpartei",
die es sich zur Aufgabe stellt, gegen die
bisherige auswärtige Politik Oesterreichs
Front zu machen, in der Delegation,
welche bisher die Andraffy'sche Politik
am wesentlichsten gefördert, der Opposi-
tion einen größeren Einfluß zu ec> ringen, zu diesem Zwecke durch Aen»
derung der Reichsrathswahlordnung eine
Vermehrung der städtischen Abgeord.
neten zu erwirken, ferner auf Erweite.
rung des Absatzgebietes des österreichi«
schen Handels, auf Hebung des Credit,
wesens. der Landwirthschaft, auf Herstel»
lung des Gleichgewichtes im Staatshaus,
halte u. s. w. hinzuarbeiten, Aufgaben,
welche, gelost, der Opposition den Cha»
rakter einer wahrhaft patriotischen Partei
geben könnten. Als nach Eröffnung des
neuen Reichsrathes — des ersten, an
welchem seit S c h m e r l i n g die
Czechen wieder theilnahmen — die Wahl
des Adreßausfchufses stattgefunden,
welcher aus 24 Abgeordneten bestand,
von denen neun der Verfaffungspartei
(Linken) und fünfzehn der Rechten an»
gehörten, wurde, nachdem Dr. Herbst
abgelehnt hatte, Dr. S t u r m mit der
Verfassung deS Adreßentwurfes seiner
Partei betraut. I n der Sitzung jenes
Ausschusses voin 23. October sollte nun
über den Adreßentwurf der Mehrheit die
Generaldebatte begonnen werden. Da
erklärte Dr. S t u r m im Namen der
Minderheit: daß sie nach eingehender
Prüfung deS Mehrheitsentwmfes zu der
Ansicht gekommen sei, derselbe könne von
ihr nicht als Grundlage der Special«
debatte acceptirt werden, da jeder Absah
dieses Entwurfes sich im principiellen
Widerstreite mit ihren Anschauungen be-
sinde. Sie werde sich daher an der
Specialdebatte nicht betheiligen, und er
als Referent der Minderheit behalte sich
vor, falls der Mehrheitsentwurf vom
Ausschüsse zum Beschluß erhoben werden
sollte, namens seiner Gesinnungsgenossen
einen Gegenentwurf einzubringen. Nun
richtete Graf Hohenwart als Referent
der Mehrheit an Dr. S t u r m die
Frage: ob er nicht näher begründen
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Streeruwitz-Suszncki, Volume 40
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Streeruwitz-Suszncki
- Volume
- 40
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1880
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 394
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon