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Aöchenyi, Edmund 238 S)6chenyi) Edmund
er daran, in Pesth eine freiwillige Feuer«
wehr nach amerikanischem Muster zu
gründen. Großes Aufsehen erregte seine
im Frühling 1867 ausgeführte Dampf»
bootfahrt von Pesth nach Paris zur
Ausstellung. Am 6. April verließ er mit
seiner in Ofen von ihm und einigen
Hilfsarbeitern erbauten Dampfyacht
,DaS Wellenmadcken" (Radien?) die
ungarische Hauptstadt und lief am
20. Mai in Paris ein. Noch Niemand
vor chm hatte die Wafferbahn von Pesth
nach Paris mit einem Dampfer von den
Miput . Dimensionen deS .Wellen»
mädchens" ausgeführt. Auch hatten die
Reisenden, im Ganzen fünf Personen,
nämlich außer den Grafen ein Herr
Alois Folmann aus Pefth und drei
Matrosen, mit Sturm und Wetter und
sonstigen Unbilden und mit Gefahren
mannigfacher Art zu kämpfen. Gleich
nach der Abfahrt — am 6. April —
brach in Visegrad die Stopfbüchse der
Maschine, und die Jacht mußte von dem
eben vorbeifahrenden Dampfer „Orsova"
bis Wien remorquirt werden. Von da
kam sie zur Ausbesserung auf die Weifte
zu Korneuburg und ging am 22. April
remorquirt bis nach Frankhofen, dann
aber mit eigener Kraft bis nach Paris.
Diä Fahrt war folgende. Auf der Donau
ging es zunächst bis Kehlheim. In
Regensburg, wo sich auf der Brücke an
43.000 Menschen als Zuschauer ein-
gefunden hatten, verhütete die Geistes»
ge^enwart des Grafen das erste Unglück.
Bei der ungeheueren Strömung daselbst,
welche alle Dampfer nöthigt, Pferdehilfe
in Anspruch zu nehmen, entstand eine
Schwankung, wodurch ein Seil in das
Rad der Maschine gerieth. Die Gefahr
war augenscheinlich, aber der Graf
kappte sofort das Seil und warf ein
neues auS, dadurch alle weitere Gefahr beseitigend. Von Kehlheim ging es auf
dem Altmühlftuß bis Dittfurt, dann auf
dem Ludwigs Canal durch 109 Schloßen
über Nürnberg bis Bamberg. Nun wurde
die Fahrt auf der Rechnitz, dann auf
dem Main abwärts bis Würzburg fort-
geseht und von da in einem Tage die
großartige Tour nach Frankfurt, dann
weiter nach Mainz, Worms. Mannheim
und Straßburg auf dem Rhein gemacht.
Letztere Strecke, welche noch nicht regulier
ist, bot immense Schwierigkeiten. Von
Straßburg fuhr die Jacht auf dem
RheiN'Marne-Canal dinch acht Tunnels
bis nach Chalons, dann auf dem Canal
latsral nach Nancy, von da nach Cu-
mier in der Champagne, die Marne ab«
wärtS nach Maux und bei Paris am
Pont Napolöon in die Seine. Nun glitt
die Macht, achtzehn Brücken paffirend,
von dem ungarischen AuSstellungscom«
miffär eingeholt, unter dem fortwähren«
den Feuer der zwei kleinen Schiffs»
kanonen bis zum AuSftellungspalaste
beim Pont Jena, worauf sie als AuS«
stellungsobject aufgestellt wurde. Wäh«
rend der ganzen Fahrt, in der Dauer
von nahezu sieben Wochen, hatten die
Reisenden nur drei Rasttage gemacht und
waren täglich von 3 Uhr Morgens bis
10 Uhr Abends in Arbeit. Außer dem
widrigen Wetter und den bereits gemel«
deten Gefahren, gleich bei der Ausfahrt
und spater bei Kehlheim, überstand daS
Boot auch glücklich die nichc ungefähr«
liche Passage in den'109 Schleußen des
Ludwig-CanalS, in dessen 99., welche nur
wenig breiter war als das Boot selbst,
es nach zwei vergeblichen Versuchen erst
bei dem dritten einzulaufen vermochte.
Die Tunnels bcfuhr es bei Fackelveleuch-
tung. Bei Straßburg gerieth eS in
Folge schlechter Leitung deS Piloten auf
die Sandbank, abec der Gras und seine
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Susil-Szeder, Volume 41
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Susil-Szeder
- Volume
- 41
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1880
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 340
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon