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Toscanll, Leopold I. 1
Beispiele voranzugehen, gab er einen
großen Theil der Krongüter in Erbpacht.
Mit neuen Gesetzen bestätigte er die von
seinem Vater zum Zwecke der Einschrän-
kung der Feudalmacht erlassenen Bestim-
mungen; und um die Zahl der 3ehen zu
vermindern, erwarb er solche für den
Staat durch Verträge, die er mit den be>
treffenden Lehensherren abschloß. Er hob
das bisher bestandene Asylrecht für Ver»
brecher auf. Er schaffte das Santo Ufsicio
oder Inquisitionsgericht ab, indem er
meinte, „daß die Gründe nicht mehr fort>
wirkten, welche die Duldung eines Uebels
zur Bekämpfung eines größeren Uebels
rechtfertigen könnten". Ebenso hob er
die Gerichtsbarkeit der päpstlichen
Nunt iatur a u f, wodurch er Reclama-
tionen von Seite der römischen Curie
hervorrief, und woraus jener bedauerliche
Conflict entstand, welcher sich noch mehr
verbitterte durch eine lange Reihe
von kirchlichen Reformen, in denen
das leicht erregbare Gemüth L e o-
polds durch die Aufreizungen Mow
signor Ricci's verleitet wurde, über das
rechte Maß hinauszugehen und sogar
die Acten der nur zu bekannten Synode
von Pistoja zu sanctioniren, die, so viel
Mißhelligkeiten zwischen Staat und
Kirche verursachten. L e o p o l d s Ab-
sichten waren aber immer die besten,
selbst in jenen reformatorischen Acten, die
nicht vollkommen zu rechtfertigen sind.
Wenn er bei Abschaffung geistlicher
Corporationen über deren Eigenthum ver«
fügte, so geschah es, um dasselbe den
Cultusbedürfniffen und der öffentlichen
Wohlthätigkeit zuzuwenden, nie aber,zu
Gunsten des Fiscus oder der Krone. Und
damals herrschte die Ansicht vor, daß der
Staat der oberste Herr des kirchlichen
Vermögens sei und das, was nach Be<
friedigung der Bedürfnisse des Cultus ver< >1 Toscana, Leopold I.
blieb, zu Gunsten der Allgemeinheit ver-
wenden dürfe. Als dem Großherzog in den
ersten Zeiten seiner Regierung Repressiv-
maßregeln gegen die Armut vorgeschlagen
wurden, gab er zur Antwort, daß, um die
Bettelei zu verhindern, die Mittel des
öffentlichen Erwerbes vermehrt werden
müßten, und zu diesem Zwecke befahl er
die Inangriffnahme öffentlicher Arbeiten',
man machte auch alsogleich mit der großen
Straße den Anfang, welche durch Ueber-
schreitung der Apenninen Toscana mit
der Lombardie in Verbindung setzte.
Andere wichtige Straßen wurden später
erbaut oder restcuirirt; ebenso viele Brücken
und Canale. Da er jeden für das gemeine
Wohl nützlichen Gedanken seines Vaters
verwirklichen wollte, so widmete er seine
Sorge auch der Austrocknung derSieneser
Maremma. Mit den hydraulischen Arbeiten
betraute er den berühmten P. Timen es.
Die dem Staate oder den Gemeinden ge-
hörigen sumpfigen Gründe gab er Den-
jenigen in Eigenthum, welche die Trocken-
legung und Bebauung derselben zu Stande
brachten. Bedeutende Ameliorationen er-
fuhren die Gründe im Val di Chiana,
Val di Nievole und im Pisanischen. Um
den Unterricht zu verbreiten, rief er in
den Städten und größeren Ortschaften
öffentliche Schulen für beide Geschlechter
ins Leben. I n Floren; gründete er eine
Lehrerbildungsanstalt, und begünstigte
auf verschiedenen Punkten des Groß-
herzogthums die Errichtung von Conser-
vatorien zur Erziehung adeliger und bür-
gerlicher Mädchen, sowie jener, welche
niederen Ständen angehörten; und für
diese Institute wurde über eine Million
Lire ausgegeben. Die Universitäten von
Pisa und Siena erhielten neue Einrich-
tungen. I n Florenz gründete er ein natur-
geschichtliches und physikalisches Museum
nebst einem astronomischen Observatorium.
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Toffoli-Traubenburg, Volume 46
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Toffoli-Traubenburg
- Volume
- 46
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1882
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 330
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon