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Trachten offenbarte, die seltene Energie
und war entschlossen, ihm zu helfen.
Selbst zwar mittellos, verschaffte er ihm
doch durch seine Fürsprache die freie Reise
bis zum schwarzen Meere. Außerdem
spendete er ihm einen kleinen Geldbetrag
und alte Kleidungsstücke. Und so trat
Vamb4ry 4834, 22 Jahre alt, mit
fünfzehn Gulden Reisegeld in der Tasche,
auf einem Donaudampfer über Galacz
seine Fahrt nach dem Orient an. Schon
auf dem Schiffe, auf welchem alle Natio-
nen vertreten waren, erregte er durch
seine Sprachkenntnifse — denn er sprach
serbisch, italienisch, türkisch, französisch
u. s. w. — allgemeine Bewunderung,
die um so mehr wuchs, als man erfuhr,
daß er noch gar nicht in der Fremde
gewesen. Auch genoß er ans dieser Sprach-
kenntniß den für ihn nicht geringen Vor»
theil, daß, wenn er, sobald man auf dem
Schiffe die Tischglocke lautete, sich in einen
Winkel zurückzog, um dort sein trockenes
Brod zu verzehren, er von manchem
Sohne Mereurs, den er durch seine
Sprachkenntnisse begeistert hatte, die Ein-
ladung zum gemeinsamen Mittagsmahle
erhielt. Auch der Schiffskoch, ein Ita-
liener, gewahrte dem armen Reisenden,
wenn dieser Stanzen aus Arioft oder
Tasso recitirte, begeistert von den
herrlichen Versen seiner vaterländischen
Poeten, manche Schüssel Maccaroni oder
Risotto, ja wohl gar einen Braten. Aber
besonders die türkischen Passagiere, die
sich auf dem Schiffe befanden, bezeugten
dem jungen Magyaren ihre volle Theil»
nähme. Es war eben die Periode der
ungarischen Flüchtlinge, in welcher deren
Hunderte zum Scheine zum Islam über-
traten. Die Unterdrückung der Magyaren
durch die Ruffen mag wohl Seitens der
Türken, die ja im Ruffen ihren Vernichter
ahnen, die Sympathie für. den jungen
v Wurzb ach. biogr. Lexikon. Magyaren geweckt haben. Das Recitiren
der Emgangsverse in der „Henriaoe" von
Vol ta i re mitten im nächtlichen Sturme
verhalf ihm auf dem Schiffe, welches sich
bereits Constantinopel näherte, zur Be-
kanntschaft mit einem Gesandtschafts,
secretär, der, gleichfalls dahin reisend, für
den ärmlich aussehenden, aber so sprach«
gewandten Vamböry Interesse empfand
und denselben aufforderte, ihn in Con-
stantinopel aufzusuchen, wo er ihm seinen
Schutz so weit als möglich angedeihen
lassen wolle. Unter solchen Umständen
fuhr er in den Bosporus ein. Von seinen
fünfzehn Gulden war ihm eben noch so
viel geblieben, um das Boot zu bezahlen,
welches ihn ans Land brachte, und so
setzte er mit schwerem Herzen, aber
leichtem Beutel den Fuß auf türkischen
Boden. Das Zusammentreffen mit einem
ungarischen Flüchtling, der seinen Lands-
mann an der Tracht erkannte und
gern in seiner ärmlichen Spelunke auf«
nahm, verschaffte ihm für etliche Tage
wenigstens eine dürftige Unterkunft, dann
gewährten ihm andere Zcmdsleute Unter-
stützung, sein Sprachentalent aber verhalf
ihm zunächst zu einer Gelegenheit, sich
seinen Unterhalt zu erwerben. Durch
geschriebene Annoncen trug er seine
Dienste an, und sonderbar genug, den
ersten Secretär der dänischen Gesandt-
schaft in Constantinopel, einen Levantiner
von Geburt, sollte er in seiner Mutter-
sprache unterrichten. So war der Anfang
gemacht. Nun folgte eine UnterricktS»
stunde bei einem jungen reichen Türken,
die sich nicht minder günstig für Väm»
böry anließ und für denselben noch den
Vortheil hatte, daß er sich mit den Sitten
und Brauchen des türkischen Familien-
lebens vollkommen vertraut machte. Noch
ersprießlicher für die Förderung seiner
Zwecke war es, als er in das Haus des
.23. Iän. 1834.) l6
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Ullik-Vassimon, Volume 49
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Ullik-Vassimon
- Volume
- 49
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1883
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 348
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon