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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Ullik-Vassimon, Band 49
Seite - 241 -
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Mmbiry 24! Trachten offenbarte, die seltene Energie und war entschlossen, ihm zu helfen. Selbst zwar mittellos, verschaffte er ihm doch durch seine Fürsprache die freie Reise bis zum schwarzen Meere. Außerdem spendete er ihm einen kleinen Geldbetrag und alte Kleidungsstücke. Und so trat Vamb4ry 4834, 22 Jahre alt, mit fünfzehn Gulden Reisegeld in der Tasche, auf einem Donaudampfer über Galacz seine Fahrt nach dem Orient an. Schon auf dem Schiffe, auf welchem alle Natio- nen vertreten waren, erregte er durch seine Sprachkenntnifse — denn er sprach serbisch, italienisch, türkisch, französisch u. s. w. — allgemeine Bewunderung, die um so mehr wuchs, als man erfuhr, daß er noch gar nicht in der Fremde gewesen. Auch genoß er ans dieser Sprach- kenntniß den für ihn nicht geringen Vor» theil, daß, wenn er, sobald man auf dem Schiffe die Tischglocke lautete, sich in einen Winkel zurückzog, um dort sein trockenes Brod zu verzehren, er von manchem Sohne Mereurs, den er durch seine Sprachkenntnisse begeistert hatte, die Ein- ladung zum gemeinsamen Mittagsmahle erhielt. Auch der Schiffskoch, ein Ita- liener, gewahrte dem armen Reisenden, wenn dieser Stanzen aus Arioft oder Tasso recitirte, begeistert von den herrlichen Versen seiner vaterländischen Poeten, manche Schüssel Maccaroni oder Risotto, ja wohl gar einen Braten. Aber besonders die türkischen Passagiere, die sich auf dem Schiffe befanden, bezeugten dem jungen Magyaren ihre volle Theil» nähme. Es war eben die Periode der ungarischen Flüchtlinge, in welcher deren Hunderte zum Scheine zum Islam über- traten. Die Unterdrückung der Magyaren durch die Ruffen mag wohl Seitens der Türken, die ja im Ruffen ihren Vernichter ahnen, die Sympathie für. den jungen v Wurzb ach. biogr. Lexikon. Magyaren geweckt haben. Das Recitiren der Emgangsverse in der „Henriaoe" von Vol ta i re mitten im nächtlichen Sturme verhalf ihm auf dem Schiffe, welches sich bereits Constantinopel näherte, zur Be- kanntschaft mit einem Gesandtschafts, secretär, der, gleichfalls dahin reisend, für den ärmlich aussehenden, aber so sprach« gewandten Vamböry Interesse empfand und denselben aufforderte, ihn in Con- stantinopel aufzusuchen, wo er ihm seinen Schutz so weit als möglich angedeihen lassen wolle. Unter solchen Umständen fuhr er in den Bosporus ein. Von seinen fünfzehn Gulden war ihm eben noch so viel geblieben, um das Boot zu bezahlen, welches ihn ans Land brachte, und so setzte er mit schwerem Herzen, aber leichtem Beutel den Fuß auf türkischen Boden. Das Zusammentreffen mit einem ungarischen Flüchtling, der seinen Lands- mann an der Tracht erkannte und gern in seiner ärmlichen Spelunke auf« nahm, verschaffte ihm für etliche Tage wenigstens eine dürftige Unterkunft, dann gewährten ihm andere Zcmdsleute Unter- stützung, sein Sprachentalent aber verhalf ihm zunächst zu einer Gelegenheit, sich seinen Unterhalt zu erwerben. Durch geschriebene Annoncen trug er seine Dienste an, und sonderbar genug, den ersten Secretär der dänischen Gesandt- schaft in Constantinopel, einen Levantiner von Geburt, sollte er in seiner Mutter- sprache unterrichten. So war der Anfang gemacht. Nun folgte eine UnterricktS» stunde bei einem jungen reichen Türken, die sich nicht minder günstig für Väm» böry anließ und für denselben noch den Vortheil hatte, daß er sich mit den Sitten und Brauchen des türkischen Familien- lebens vollkommen vertraut machte. Noch ersprießlicher für die Förderung seiner Zwecke war es, als er in das Haus des .23. Iän. 1834.) l6
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Ullik-Vassimon, Band 49
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Ullik-Vassimon
Band
49
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1883
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
348
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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