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Thaddaus Amadä Graf
lk. k. Hofmusikgraf, geb. zu Preß.
bnrg am 10. Jänner 1783, gest. zu
Wien 17. Mai 1843). Der Sproß eines
alten ungarischen, ursprünglich deutschen
Geschlechtes, dessen Ahnen, Namens
Guthkeled, auf dem Schlosse Sztrop
in Schwaben hausten und um die Mitte
dos eilften Jahrhunderts mit dem von
Kaiser Heinr ick eingesetzten Könige
Peter I I . von Ungarn in dieses Land
übersiedelten. Die Familie erscheint auch
öfter unter dem Namen Am ade, wie
denn auch in diesem Lexikon schon ein
. Sproß derselben, der magyarische Dichter
Ladislaus Am ad 6 von V^rkony
^Bd. I, S. 24^j, eine Stelle gefunden
hat. Thaddaus, der einzige Sohn
des Grafen Franz, Palatins der erz-
bischöflichen Vajkaer und I^rsek-L^ler
Stühle, und der Neffe des Grafen
Anton, Obergespans vom Szalader Co»
mitate, eines der ersten Rechtsgelehrten
Ungarns seiner Zeit und eines berühmten
und gefeierten Redners, zeigte in früher
Jugend ungewöhnliches Talent und Vor-
liebe für Musik und ließ im zarten i
Knabenalter in größeren (5irkeln, in!
welchen er ganze Concerte auf dem Cla-
vier vortrug, sich hören. Es wurde ihm
die Auszeichnung zutheil, vor Kaiser
Leopold I I . Proben seiner Kunstfertig»
keit zu geben. Er componirte auch
Mehreres, und Einiges davon ist im
Stich erschienen. Eine besondere Stärke
aber besaß er im Improvisiren, im freien
Phantasiren auf dem Piano, worin er
sich öfter mit dem berühmten Hummel
>M. IX, S. 419^ in einen Wettkampf
einließ und hinter diesem großen Meister
desClavierspiels nicht zurückblieb. Jedoch
widmete er sich dem Staatsdienste und
erhielt die Stelle eines Hofsecretars bei
der ungarischen Hofkanzlei. Als aber im Jahre 1809 die kriegerischen Rüstungen
Alt und Jung zu den Waffen riefen, trat
er bei der adeligen ungarischen Insurrec-
tion des Preßburger Comitats als Ritt-
meister ein. Die durch den Tod seines
Vaters 1824 erledigte erbliche Würde
eines Palatins der erzbischöflichen Vajkaer
und ^rsek Leler Stühle ging im genann-
ten Jahre auf ihn über. Am 13. Mai 1831 ,
aber wurde er von Kaiser Franz zum
Hofmusikgrafen ernannt, in welcher Stel-
lung er vierzehn Jahre, bis an das Ende
seines Lebens wirkte. Als Hofmusikgraf be-
kleidete er gewissermaßen das Amt eines
obersten Chefs des gesammten Musik«
Wesens in Oesterreich. Nun war aber auch
bei der ihm angeborenen Begeisterung für
die Musik seine ganze Thätigkeit dem ihm
unterstehenden kaiserlichen Musikinstitute,
der Ho fcapelle, geweiht. Erforderte
die Kunst nach besten Kräften, vergaß
jedoch bei der übersichtlichen Leitung des
Ganzen auch der Einzelnen nicht, und
ein Nachruf bezeichnet ihn ausdrücklich
als den theilnehmenden Freund jedes
einzelnen Mitgliedes seiner Capelle. Unter
seiner Leitung kamen die Tonwerke der
berühmtesten Meister zur Aufführung,
aber auch den Werken jüngerer vate»
ländischer Talente ward durch seinen Ein-
fluß gerechte Würdigung und Anerken-
nung zutheil. Jedoch nicht nur dem ein-
heimischen Künstler suchte er, so gut er
konnte, zu nützen, auch fremde fanden
Gelegenheit, in ihm den freigebigen, qroß-
herzigen Kunstmäcen kennen zu 'lernen.
Thatsache ist es auch, daß Graf Thad»
däus, das Genie des jungen Liszt
erkennend, mehrere Caualiero veranlaßte,
daß sie dessen Vater ein Iahrgchalt aus<
warfen, wodurch es diesem möglich wurde,
das Talent seines Sohnes ordentlich aus»
bilden zu lassen. Wie er aber als Hof«
musikgraf zunächst die Musikaufführnngen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Ullik-Vassimon, Volume 49
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Ullik-Vassimon
- Volume
- 49
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1883
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 348
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon