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spiele, letztere jedoch nur auf kurze Zeit,
geben ließ. Nun bezog Albert das
Gimnasium der Piaristen in der Joseph-
siadt, trieb neben den vorgeschriebenen
Lehrgegenständen mit besonderer Vor-
liebe deutsche Sprache, Geschichte und
Mineralogie und fühlte sich auch, wohl
zunächst infolge der Einsamkeit bei dem
Mangel an Geschwistern und gleich«
altrigen Verwandten, zu kleineren poeti-
schen Versuchen gedrängt. Als es endlich
zur Wahl eines Berufsstudiums kam,
schwankte er eben noch zwischen dem der
Rechtswissenschaft und der philosophi'
schen Disciplinen, als die plötzliche
schwere Erkrankung des Vaters diese
Frage entschied. Im Hinblick auf den
baldmöglichen Tod desselben entstand
bei der kleinen Pension, auf welche die
Mutter angewiesen war, erst recht die
Schwierigkeit einer Fortsetzung der Stu-
dien, und Weltner sah sich nach einer
seinen Lebensunterhalt sichernden Stel-
lung um. Er trat als Rechnungsprac»
ticant bei der Finanzlaudesdirection in
Wien ein, bei welcher er jedoch nahezu
vier Jahre ohne Adjiitum diente. Das
war wenig ermunternd; zudem mußte
er, um seinen Eltern nicht ganz zur Last
zu fallen, nach abgethanen Amtsstunden
noch Privatlectionen geben; so blieb
denn die poetische Production ziemlich
zurück; dagegen knüpfte er theils persön»
lichen, theils schriftlichen Verkehr mit
vielen Schriftstellern und Dichtern an,
die eben damals in Wien an der Tages-
ordnung waren, und von denen wir
neben dem Altmeister Bauern feld nur
einige wenige nennen, wie Leopold
Feldmann, Franz Nissel, D. Pol l-
Hammer, Ludwig Germonik, Fer-
cher von Ste inwand, Alfred Fried«
mann, Balduin Gro l l er, H. Laube,
Joseph Rank u. s. w., welche immerhin anregend auf den schaffenslustigen Iüng.
ling wirkten. Einfluß auf die günstige
Wendung seines Geschickes übte aber
vornehmlich Bauern feld, den er im
Hause der treuen Freundinen Grill»
parzer's, bei den Fräulein Fröhlich,
mit denen er auch entfernt verwandt
war, kennen lernte. B a u e r n f e l d
empfahl seinen Schützling dem damaligen
Reichssinanzminister Freiherrn von Hof-
mann, der denselben als Practicanten
in das Reichsfinanzministerium aufnahm.
Aus diesem kam Weltner in das Mini.
sterium des Aeußern. Daselbst aushilfs-
weise im literarischen Bureau verwendet,
ward er zuletzt dem bosnischen Departe^
ment des Reichsfinanzministeriums zur
Dienstleistung zugewiesen. Als dann
Freiherr von Hofmann nach Nieder»
legung seines Portefeuilles mit der Gene-
ralintendanz der k. k. Hoftheater betraut
wurde, erhielt Wel tner bei dieser Hof.
behörde am 1. Mai 1881 eine Ofsicials-
stelle, in welcher er zur Zeit noch thätia
ist. Die Muße seines Berufes ließ ihm
im Ganzen nur wenig Zeit zu literari»
schem Schaffen. Das Meiste findet sich
bisher in der in Zamarski's Verlage
herausgegebenen „Neuen Illustrirten
Zeitung" und in der von Manz begrün»
deten illustrirten Zeitschrift „Die Hei»
mat". Außerdem schrieb er 4880 das
Lustspiel: „Ant den erttrn Ulllinent" und
1882 das Festspiel: „Nll3 Weiticgrschrnk des
Genius". Die Wiener Compositeure H. I .
Löwenstamm, Ernst Stoiber und
Max Ritter vonWein zierl haben ver»
schiedene seiner Gedichte in Musik gesetzt.
Weltner bedient sich auch bei seinen
schriftstellerischen Arbeiten des Pseudo»
nyms: Oskar von Eichentreu»
Rentlew.
Brummer (Franz). Lexikon der deutschen
Dichter und Prosaisten des neunzehnten
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Weil-Weninger, Volume 54
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Weil-Weninger
- Volume
- 54
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1886
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 346
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon