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Zerkowih 343 Zerkowih
sich von ihm frei zu machen, worauf sie
in die Heimat zurückkehrte. Sie begab
sich zu ihren Eltern nach Holleschau
und genas daselbst nach einigen Monaten
eines Knaben. Um nun ihren Lebens-
unterhalt zu bestreiten, mußte sie als
Mutter eines Knaben den Plan, Schau-
spielerin zu werden, völlig aufgeben, ließ
das Kind in Obhut ihrer Eltern und
nahm eine Erzieherinstelle in Mähren an.
Die Lage war keine rosige; es galt für
die Eltern und für das Kind zu sorgen,
und die Einnahme war eine kleine; da
bot sich ihr nack anderthalbjährigem Auf.
enthalte im Dorfe Winau bei Znaim eine
sogenannte praktische Partie an. Ein
Kaufmann G r ü n w a l d in Wien,
Witwer mit vier Kindern, aber mit Ver»
mögen, bot ihr seine Hand an und ver>
sprach ihr, für Kind und Eltern zu sorgen.
Nun galt es, da sie römisch-katholisch
war, die Scheidung von ihrem ersten
Gatten zu erwirken. Durch einflußreiche
Athenerfreunde und durch ausnahms»
weise Entscheidung des damaligen Mini-
sters Glaser in Wien gelang ihr dies.
Aus dieser 4877 geschlossenen Verstandes-
heirat entstammen drei Knaben und zwei
Mädchen. Eine geistige Frucht während
dieser zweiten Ehe waren die beiden
Schriften „Neder der Morinanin" und „Naö
Grrtchrn imn hentr", von denen noch weiter
unten die Rede sein wird. Frau Grün»
wald'Zerkowitz lebt seither in Wien,
wo sie eine Modezeitung mit franzö-
sischem Text in deutscher Nebersetzung,
betitelt „I^a. Uoäs" herausgibt, in
welcher sie auf das bei aller Mode einzig
richtige Ziel hinarbeitet: bei jeder Toi-
lette zu individualisiren, indem sie
bei jeder Toilettenabbildung es gleich
sagt: für welche Art von Gestalt diese
oder jene Kleidform, für welche Art von
haut» und Haarfärbung diese oder jene z Farbe und deren Abtönungen und Ver»
bindungen entsprechend seien. Jetzt strebt
sie auch darauf hin, eine staatliche Mode«
akademie für das Bekleidungskunsthand»
werk in Wien ins Leben zu rufen, um das
Bekleidungshandwerk auf eine Kunststufe
zu erheben und Wien auf dem Welt»
markte auch in kostbaren Bekleidungs»
Modeartikeln gleich den Parisern leistungs»
fähig zu machen. Ihre Ideen in dieser
Richtung hat sie in der Schrift „Nie Mode
in der Franeukleidnng" (Wien 1889, Georg
Szelinski, gr. 8"., 43 S.) entwickelt.
Nach glaubwürdigen Quellen geht seit
etwa zehn Jahren von ihr der Anstoß
zu den „sensationellen" Moden in Wien
und Paris aus, und die meisten internatio»
nalen Moden seit einem Decenmum,
welche die Reise um die Welt machten,
sollen von ihr ersonnen sein. Sie hat stark
besuchte Vorlesungen über die Mode '
in der Frauenkleidung in Wien und
Constantinopel gehalten. Aber noch auf
einem anderen Gebiete begegnen wir der
Frau Grün wald'Zerkowitz. Von
einer Geschichte der ungarischen Literatur:
" (Buda-
pesth, Franklin-Gesellschaft, 8".), dem
Büchlein „Zwanzig Hellichte nun N l^llMüN
Goth ^ 6 i / ^ /i^/?nä?i). Ins dem Nngari-
2chen" (Wien 1874, Rosner, 42".) und
Nebersetzungen aus verschiedenen Spra-
chen abgesehen, welche sie noch als seh-
rerin in Budapefth im Jahre 1874 ver-
öffentlichte, gab sie auch Dichtungen her«
aus, die, wir können keinen anderen
Ausdruck gebrauchen, einen ungewöhn»
lichen Erfolg hatten. Es erregten „Die
Lieder der Mormonin" (Herman Dur»
selen, Leipzig 1886 und A. Booth in
Utah sAmerika^) ebenso durch Format
wie Inhalt Aufsehen. Die hundert
Lieder, darunter wirklich einzelne Perlen,
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Wurmser-Zhuber, Volume 59
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Wurmser-Zhuber
- Volume
- 59
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1890
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 428
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon