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Erica Tietze-Conrat - Tagebücher, Band II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
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202 Tagebuch 1938/1 1500, ein Festzugswagen mit Amorosen-Szenen u. Aufschr[ift] [„]istorie di venere di marmo ed dipinte[“] in schöner gleichzügiger Schrift. Nach seiner Mei n[un] g Filippino Lippi  …38 Wir haben ihm Burgs Adresse gegeben. Es war reizend bei d. alten tauben Herren, besser : es wäre reizend  … gewesen, wenn es nicht so phantastisch kalt oben gewesen wäre, daß wir nachher einen Dauerlauf machen mußten u. ich jetzt im Bett unter d. Eiderdecke liege, um wieder auf gleich zu kommen. 24. [Februar] Der Tag rollt sich schon nach Schablone ab. Es kamen d. Photos vom Vict[oria] + A[lbert] Mus[eum]. Wir arbeiten vormittag im Louvre, nach Tisch in d. Éc[ole] d[es] B[eaux-]A[rts], wo wir durch d. ital[ienischen] Bestände durchkamen u. eini- ges zum Photogr[aphieren] auswählten. Nachher gingen wir in d. G[azette] d[es] B[eaux-]A[rts] mit d. Duvetzeichn[ung] u. zum Rendez-vous mit Floch, das er uns in d. Ausstell[ung] Tischlers gegeben hatte. Die war nicht anders, als wir sie uns vor- gestellt hatten. An einem Bild steckte d. Zettelchen „vendu“, aber Floch sagte uns, daß es mehr zum Animieren dort steckte. Er ist in eine merkantil ungünstige Zeit hineingekommen. Wir blieben nicht lang, gingen eine späte Jause essen, die uns für d. „Marseillaise“ (von 7 bis fast 10h) fit machte. Das ist der gerade aufgetane Film von J[ean] Renoir, den das Volk selbst durch im vorhinein gezahlte Plätze finanziert hatte. Es war leider nicht so gut, wie wir es erwartet hatten u. in Anbetracht d. teu- ren Plätze erhofft hatten (20 fr !). Es war sehr schön zum Anschauen, vor allem d. landschaftl[ichen] Aufnahmen u. Renoir selbst als König hat wundervoll gespielt, aber sonst wars ganz unnötig lang. Am Boul[evard] St. Michel in einem Caférestaurant im Souterrain genachtmahlt. Ganz voll auf rotschreienden Lederbänken, unter gan- zen Kurven vor schreiendem Licht ein schreiendes Publikum  – an d. Wänden eins neben dem anderen Aquarien. Darin durch d. dicke Glas ganz isoliert selbstbefrie- digte Fische. Zwei Welten u. keine kümmerte sich um d. andre. Floch aber quälend bohrend.  –39 Heut früh kam ein Brief v. d. Kalat mit Aufklärungen über Taylors Schweigen. Hans ging dann zu d. Amerikanern u. traf mich um 10 im Louvre wo auch d. Giulio Romano Mann Hartt schon im bloßen Hemd  – ein Amerikaner  – photogr[aphierte]. Während Hans photogr[aphierte] u. ich assistierte, schauten wir auch noch weiter flo- ren t[inische] Z[eichnung]en an, die uns nichts angingen. Nach Tisch machten wir alle Aufnahmen in d. Éc[ole] d[es] B[eaux-]A[rts], trennten uns dann, ich ging nachhaus mit d. Photogr[aphien-]Koffer, am Weg noch mich mit einer Schokol[ade] labend. Hans fuhr zur „Alpina“ einem Buchverlag, wo er sich wegen eines Reisebuchs Anato- lien für Anderl erkundigen will. Edel u. Filippa holen uns  …40
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Erica Tietze-Conrat Tagebücher, Band II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Entnommena aus FWF-E-Book-Library
Titel
Erica Tietze-Conrat
Untertitel
Tagebücher
Band
II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Herausgeber
Alexandra Caruso
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-79545-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
346
Kategorie
Biographien
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