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Erica Tietze-Conrat - Tagebücher, Band II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
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239 Tagebuch 1938/1 u. über d. Arno hinausgeträumt, halb Nachmittags- schlaf halb Abschiedsstimmung, still. Die Ufer sind dort ganz schlampig, Bodenwellen, die unregelmä- ßig ins Wasser vordringen, hinter Vorstadthäuser, gelb mit grünen Jalousien. Brentakanalstimmung ; Zurück auf schmalen Weglein ganz unten am Fluß, wo die vornehmen Cascine gar nicht mehr zu sehen sind. Bei Ognissanti eingekehrt, gerade als sie d. Tor aufschlossen. Wie merkwürdig erratisch hergescho- ben wirken dort d. beiden Fresken von Bottic[elli] u. Ghirland[aio]. Zuhause noch einmal d. Z[eichnun- g] en von Asta durchgesehen, gepackt  …112 26. [April] früh. Anderls Geburtstag. Er lebe hoch ! Ach, so hoch ! Bologna. Wir sind gestern abend angekommen. Den letzten Tag in Florenz haben wir zumeist im Institut verbracht, wo wir uns um Tiepolo z[eichnung]en u. um d. frühen Michelangelo umsahen. Wir zeigten d. Rus- selrelief d. Kriegbaum, der genau so wie wir davon stark impressioniert war, genau so wie wir datiert, aber auch zu starke Hemmungen hat, einen Vor-Frühstil an- zunehmen, der durch ein nicht beglaubigtes Stück repräsentiert werden soll. Dr. Oertel (der d. Photos unter sich hat) zeigte uns ein deutsches Bild aus d. Galerie Ferroni in d. Via Faenza, das wir uns am Nachmittag ansahen. Auf d. Photo hieß er glatt Albrecht Dürer, in Wirklichkeit ist es ein sehr gutes Bild, kein Dürer. Es sieht viel dreidimensionaler aus als auf d. Photo. Sonst war in d. Galerie das meiste unerfreulich. Eine kleine Kopie nach Muzianos Kreuztragung in Orvieto als  – Al- lori ; eine harte Venus in Landsch[aft], ähnl[ich] postiert wir jene Continis heißt nur anon[ym] toskanisch vor 1662. Ob Hans nicht recht hat, daß jene bei Contini von Canlassi ist ? Contini wollte 10.000 Lire für die überzeugende Zuschreibung d. Bildes geben. Ob er diese Summe auch für Canlassi geben will ? (Hadeln hatte sie Sebastiano ! genannt). Am American Express, wo wir unsre Adresse (Milano) an- gaben, fanden wir eine Karte von Georg u. einen  – viel importanteren !  – Brief von F[iske] Kimball vor. Danach wäre d. Universit[ät von] Philadelphia bereit u. Kim- ball hat sich mit Hans’ Brief an d. Unterstütz[ungs]fonds für Deutsche Gelehrte in N[ew] Y[ork] um eine finanzielle Ergänzung gewendet. Dieser Brief im letzten Augenblick war eine große Aufmunterung. Auf d. Bahnhof war Mrs. Hartley mit Blumen u. d. Santifallerin Abschied winken. Ein Neophyt […] verfrachtete unser Gepäck so ungeschickt, daß die beiden größten Stücke uns auf den Schoß fielen. Zur Versöhnung schenkte ich die Blumen d. Dame d. einen Betroffenen. Wem wird diese sie weiterschenken ?  –113 Abb. 70 : „Reborn Hellenism“ – „Russel-Relief“.
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Erica Tietze-Conrat Tagebücher, Band II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Entnommena aus FWF-E-Book-Library
Titel
Erica Tietze-Conrat
Untertitel
Tagebücher
Band
II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Herausgeber
Alexandra Caruso
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-79545-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
346
Kategorie
Biographien
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