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Erica Tietze-Conrat - Tagebücher, Band II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Seite - 328 -
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328 Tagebuch 1938/2 d. Freude über d. Karte kam ! Ich hab dann gleich meine Ankunft für Morgen schon dem H[ans] telegraphiert.  – Nach endlosem Suchen hab ich in einem Ersten Stock Restaurant ein Prixfix 12 fr gefunden. „Comment voulez-vous les œufs ?“ hat mich d. infantil schlanke Kellnerin gefragt. Sie hat  – wie d. Frage auch  – schon ganz spanisch ausgeschaut.49 6. Dezember. Heute wieder ein wichtiger Tag. Wir haben am amerik[anischen] Konsulat unsere ap- plication gemacht u. sollten schon am Nachmittag d. Visum abholen. (Machen’s aber erst morgen.) Das ist ein Schritt weiter. Trotz alledem  – bin ich verstimmt. Es ist als hätte ich zwischen mich u. Anderl eine unüberbrückbare Distanz gelegt. Natürlich ist es ein Unsinn, denn wenn wir drüben sind, können wir ihn leichter holen als von hier aus. Dennoch  – Von Wien tropfen d. Nachrichten langsam. Der Hausverkauf ist in 1. Instanz genehmigt. Das ist gut. Aber d. Pension ist zum erstenmal nicht ausgezahlt worden. Mich quält es, daß Therese zu allem Kummer noch die Sorge hat. Baron Oppenheim, der „Präsident der Museumsfreunde“ hat sich d. Leben genommen. Der Architekt Breuer ist auch tot. Hofrat Schlosser ist tot (der aber sicher ganz normal). Trude ist zu Stoffel nach Baltimore. Anderl ist Lektor geworden. Gustl noch immer jenseits d. Grenze, dafür Ribbentropp heute in Paris. Ja, das hängt zusammen. Unsre Arbeit geht ganz gut, aber jetzt sind wir doch ungeduldig nach England zu kommen, denn mit d. Visum im Paß ist unsere Zeit in Europa beschränkt. Frau Dolly ist in England, weil ihre Schwester schwer erkrankt ist. Ich hab ein gutes Buch gelesen : Les Musiciens du Ciel (von Lefèvre). (Ein Heilsarmeebuch eigentlich, aber es hat nichts zusagen).50 22. Dezember. Wir haben endlich  – gestern  – unser Permit f. England bekommen u. daraufhin das Visum ! Es scheint auf Drängen Maclagans hin geschehen zu sein, mit dem wir vor paar Tagen hier zusammen waren. Nächsten Mittwoch wollen wir reisen. Die uner- wartete Kälte hier macht d. Aufenthalt ohnedies ungemütlich  – aber wird es in Lon- don nicht noch ärger sein ? ! Unsre Arbeit steht sehr gut. Der Besuch bei Hevesy war außerordentlich anregend, wir haben ihm manches sagen können u.  – als besonderen Gewinn  – d. Vorzeichn[ung] zu Giulio Campi’s Ganymed bei ihm vorgefunden, die allerdings eine andre Landsch[aft] hat u. wegen dieses Umstands von Hadeln Bellini gegeben wurde. Er war freigiebig mit Photos u. wird  – hoffentlich  – weiter noch frei- gebig sein. Eine im Louvre von Linzeler Barbari geg[ebene] Helenaröthelzeichn[ung] konnten wir für einen mailänd[er] Bildhau[er] Angelo De Marinis sicherstellen, was ein wirkliches Positivum ist. Eine ungemein u. nachhaltig packende Z[eichnung], die unter d. Giulio Romanos lag, mutete uns sofort als oberital[ienisch], vielleicht Bar- bari an  – stellte sich aber bei näherer Prüfung aber als junger Dürer heraus. Ich sage :
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Erica Tietze-Conrat Tagebücher, Band II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Entnommena aus FWF-E-Book-Library
Titel
Erica Tietze-Conrat
Untertitel
Tagebücher
Band
II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Herausgeber
Alexandra Caruso
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-79545-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
346
Kategorie
Biographien
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