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Existentialismus in Österreich - Kultureller Transfer und literarische Resonanz
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solche Einschätzung lautWalter vanRossumdurch eine irreführendeÜbertra- gungvonSartresTerminologienochnäher: Die Probleme des philosophischen Stils rühren zumTeil daher, daßman auf Sartre An- fangder fünfziger Jahre inDeutschland schlicht unvorbereitetwar.Deshalbhatman ihn wirklicheingedeutscht,undwasbotsichdamehran,als ihn indieNähezuHeideggerzu bringen. Schließlichbezieht sichSartre ausdrücklich aufHeidegger underlaubt sich ter- minologischeAnleihen.Das ist aber auchalles.Heideggerhat sich zuRecht bei derVor- stellung gekrümmt, mit Sartre verwechselt zu werden. Und Sartre verdankt Heidegger vieles, vor allem:weit über ihn hinausgehen zu können. Aberweder die populäre noch die fachphilosophische Sartre-Rezeption kam über den Bannkreis des Zauberwortes „Existentialismus“hinaus.Unddaswar inden50er Jahrenebenstarkdeutscheingetrübt: die Migräne der frommen Seelen, die die wahre Schuld nicht denken konnten. Und so reichte es, allepaarSeitenmal etwasvomTypus„wesendesWesen“ in einenText einzu- streuen, und schonwar die ganze Luzidität Sartres vergiftet. Manwitterte sogleich das numinose Seindes Seienden, das Sartre nicht die Bohne interessierte, unddeshalbwest bei ihmauchgarnichts.SartrewarvollkommenresistentgegenüberderspekulativenOn- tologieHeideggers–seineerstenÜbersetzerweniger.60 Für JeanAmérysetztdieseSprachverwirrungeineEntwicklung fort, diemitder Rezeption deutschsprachiger Phänomenologie und Existentialphilosophie in Frankreichbeginnt,welche seit der JahrhundertwendevonGroethuysen,Aron, Koyré, Gurwitsch, Kojève und Lévinas vermittelt wird und in französischer Übersetzung imdortigenphilosophischenFeldetwasvölligNeuesdarstellt:61 Gedankenlinien, erstmals in Deutschland gezogen […], werden in Frankreich weiterge- führt, dort umgeprägt, umgebogen, kehren zumeistmit einerVerspätung von etwa fünf- zehn Jahren nach Deutschland zurück und werden daselbst als modernistischer Exotismusenthusiastischempfangen.62 Was transfertheoretischbetrachtet ein eindrücklicher Belegdafür ist, dassAkkul- turationsprozesse nicht voraussetzungslos verlaufen, sondern vielmehr Resultat früherer Vermittlungen („le résultat de déplacements antérieurs“63) sind, sieht Améry als eine „auf gegenseitigen Mißverständnissen beruhende, vor allem durch Unkenntnis der je anderen Sprache bedingte Dialektik der deutsch-französischen Beziehungen“64. Das sich daraus ergebende „diffuse […] ‚Kategorienkonglomerat‘“65 und die „ungewohnte Sprechweise“ tragen 60 VanRossum:VonderRettungslosigkeitdesMenschen. In:DieZeit,07.02.1992. 61 Badiou:L’Aventurede laphilosophie française,S. 13f. 62 Améry:EinneuerVerratder Intellektuellen?,S. 166. 63 Espagne:LaNotionde transfertculturel,S. 3. 64 Améry:EinneuerVerratder Intellektuellen?,S. 166. 65 Rahner: Jean-PaulSartrealsModelldes Intellektuellen,S.321. 242 7 DiePhilosophiedesExistentialismus inForschung,LehreundKritik
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Existentialismus in Österreich Kultureller Transfer und literarische Resonanz
Titel
Existentialismus in Österreich
Untertitel
Kultureller Transfer und literarische Resonanz
Autor
Juliane Werner
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-068306-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
378
Kategorie
Kunst und Kultur
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