Seite - 159 - in ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
Bild der Seite - 159 -
Text der Seite - 159 -
© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
Reichweiten haben, dafür noch feinere Auflösungen bieten. Für eine direkte
Anwendung auf klimatologische Fragestellungen müssten Radardaten noch
bestmöglich homogenisiert werden, um sie um die Effekte von technischen
NeuerungenundStandort-Änderungen zubereinigen.Diese großeHerausfor-
derungmuss inÖsterreicherst angegangenwerden.
DieösterreichischenRadarstandortewurden inden letzten Jahrenaufpola-
rimetrischeRadargeräte aufgerüstet, die nebender Intensität auchdieArt des
Niederschlagesdetektieren (KaltenböckundRyzhkov, 2013).Damit kannerst-
mals auchHagel automatischmit hoherWahrscheinlichkeit erkannt werden,
was zuvor nurmit erheblichenUnsicherheiten (oder vielmenschlicher Erfah-
rung)möglichwar.DasobengenannteProblemeiner schlechten»Radarsicht«
speziell in gebirgigemGelände bleibt allerdings auch für polarimetrische Ra-
dardaten bestehen undmuss für eine räumliche Vergleichbarkeit erst gelöst
werden.
Mit Sicherheit können das Auftreten und die Größe von Hagel durch
Kunststoffplatten festgestellt werden, in denen aufschlagende Eiskörner ent-
sprechende Abdrücke hinterlassen. Bisher wurden Hagelplatten lediglich im
Zusammenhangmit einer künstlichenHagelabwehrdurch rechtzeitiges »Imp-
fen« einer Gewitterwolke mit Silberjodid verwendet, deren Wirkung noch
immer umstritten ist. InÖsterreich existieren feinmaschige Netzwerke von
HagelplattendahernurimOperationsbereichderHagelabwehrimRaumKrems
undGraz sowieneuerdings imWegenerNet imRaumFeldbach.Angesichtsder
geringenKosten ist das erstaunlich: eine systematischeAusstattung z.B. aller
NiederschlagsmessstationenmiteinerzusätzlichenHagelplattekönnteunseren
InformationsstandüberdasAuftretenvonHagel systematischverbessern.
7.6.2 Sammlungvon InformationenüberdieAuswirkungvonUnwettern
GeradefürkonvektiveUnwetterstelltdasFehlenvollständiger,einheitlicherund
homogener Mess- und Beobachtungsdaten große Herausforderungen dar.
NebenRadardaten lässt sich die unzureichendeDichte an automatischen Sta-
tionsmessungenundderMangelanroutinemäßigenBeobachtungenetwadurch
Versicherungsdaten, Protokolle von Feuerwehreinsätzen und Unwettermel-
dungen aus derÖffentlichkeit beheben (Krennert et al., 2018a;Martius et al.,
2018). DerWeg zur bestmöglichenKombination dieser verschiedenenDaten-
sätze fürdieoptimaleAusnützung ihrer jeweiligenStärkenmussallerdingserst
beschrittenwerden.
Für die Sammlungvon InformationüberdieAuswirkungenvonUnwettern
stellt»Crowdsourcing«derzeiteinbesondersheißesThemadar.SeineAktualität
ergibt sich aus einer Verschneidung zwischen einem explodierten Verbrei-
DiskussionundaktuelleForschungsfragen 159
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
zurück zum
Buch ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich"
ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Titel
- ExtremA 2019
- Untertitel
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Autoren
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Herausgeber
- Katrin Sattler
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 778
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute