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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
Die hydrologische Literatur bietet eine Fülle vonMethoden an, die sich im
Wesentlichen in statistischeAuswertungenvongemessenenHochwasserdaten-
reihen undNiederschlag-Abflussmodellierungen gliedern lassen (Blöschl und
Merz,2008).Dieersterenwerdenmeistdafürherangezogen,dieScheitelabflüsse
einer bestimmten Jährlichkeit zu bestimmen, wobei auch Auswertungen der
Wellenformmöglichsind(Ga#l et al., 2012,2015).DasBerechungsergebnisder
letzteren sind Hochwasserwellen. Das Regelblatt 220 des Österreichischen
Wasser- und Abfallwirtschaftsverbands gibt Empfehlungen für die richtige
AnwendungderNiederschlag-Abflussmodellierung (ÖWAV,2018).
Die statistischenAuswertungenhabenwegen ihrer Einfachheit im20. Jahr-
hunderteinegroßeBeliebtheiterlangt.AllerdingsisteinstatistischerAnsatznur
danngerechtfertigt,wenndieVoraussetzungenfürdieAnwendungderStatistik
erfülltsind.InderPraxis istdiesinderRegelnurfürgroßeFlüssederFall,daan
kleinerenFlüssendieHochwasserdatenreihenoft zu kurz, nicht stationär und
stärker fehlerbehaftet sind. Statistische Tests (Anpassungstests, Trendtests,
Ausreißertests) lösendiesesProblemausdengleichenGründennicht.Größere
UnterschiedeinderVerwendungverschiedenerParameterschätzungsmethoden
undVerteilungsfunktionenweisen auf einen geringen Informationsgehalt der
Hochwasserdatenreihenhin.Daher geben solcheTests oft nur eine scheinbare
Objektivität.ZuverlässigereAussagenkönnennurmitInformationengewonnen
werden,dieüberdieHochwasserdatenreihenhinausgehen.
Das Merkblatt zur Bestimmung von Hochwasserwahrscheinlichkeiten der
DeutschenVereinigungfürWasserwirtschaft,AbwasserundAbfall(DWA,2012)
siehtdeshalbbasierendaufMerzundBlöschl(2008a,b,c)vor,dieInformationen
zeitlich, räumlich und kausal über die Hochwasserdatenreihen hinaus zu er-
weitern, unddanndasHochwasser einer bestimmten Jährlichkeit in einerZu-
sammenschau aller Informationen zu bestimmen. Die zeitliche Informations-
erweiterung kann etwa durchVerwendung historischerHochwasserereignisse
und längerer Abflussreihen benachbarter Gebiete erfolgen. Die räumliche In-
formationserweiterung kann durch Regionalisierungsmethoden erfolgen und
erlaubt auchAussagen fürGebiete ohneAbflussmessungen.Die kausale Infor-
mationserweiterung kann qualitativ imVergleich zu anderen hydrologischen
Daten (Niederschlag, Abflussbeiwerte, Saisonalität von Hochwasser, Abfluss-
typen, Gebietsgeomorphologie), sowie quantitativ mittels Niederschlag-Ab-
flussmodellierung erfolgen.Umeinumfassendes Bild derHochwasser in dem
betroffenenGebiet zu erhalten, ist es sinnvoll,möglichst vielfältige und kom-
plementäreInformationeneinzubeziehen(Gutknechtetal.,2006).Dafürhaben
MerzundBlöschl(2008a,b,c)denBegriff»Extremwerthydrologie«imGegensatz
zur traditionellen»Extremwertstatistik«geprägt.
EinBeispielfürdasVerfahrenderExtremwerthydrologieistinAbbildung04a
für den Pegel Zwettl am Kamp dargestellt, an dem im August 2002 ein Ex-
Hochwasser236
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
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Buch ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich"
ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Titel
- ExtremA 2019
- Untertitel
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Autoren
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Herausgeber
- Katrin Sattler
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 778
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute