Seite - 547 - in ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
Bild der Seite - 547 -
Text der Seite - 547 -
© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
Prozentzahl pro Grad Erwärmung (–5 8 bis 0 8C) ab; (iii) Die duktile Defor-
mierbarkeit vonEis inKlüftennimmtvon–5 8bis 0 8Cstark zu; (iv)Die Fes-
tigkeit von feinmaterialgefüllten Klüften nimmt von 5 8 bis 0 8C stark ab
(Krautblatter et al., 2013; Mamot et al., 2018). Gleichzeit treten in degradie-
rendenPermafrostfelsenhohecryo-undhydrostatischeDrückeaufundalpine
Felswände befinden sich bereits oft in einem kritischen Spannungszustand
(Krautblatter undLeith, 2015).Daraus ergeben sich nicht-lineare Zusammen-
hängenzwischendemTemperaturregimeimUntergrundundderFelsstabilität,
auch wenn in besonders heißen Sommern vermehrt Felsstürze beobachtet
wurden.Permafrostbedingungenkönnendurchaus stabilisierendeEigenschaf-
tenaufHängehaben.MechanischeTests zeigenhierbei jedocheineklareTem-
peraturabhängigkeit: JewärmerdieTemperatur einer gefrorenenGesteinspro-
be, desto leichter kann in künstlichen Scherversuchen ein Bruch imGestein
herbeigeführt werden (Krautblatter et al., 2013). ImUmkehrschluss bedeutet
dies, dass extrem kalte Felsbereiche und eisgefüllte Klüfte einen höheren
Scherwiderstand aufweisen als Bereichenahe 0 8Cund somit eine höhere Sta-
bilität zeigen. Eine deutlicheVerminderung der Stabilität entsteht dabei nicht
erst bei völligem Auftauen, also bei Felstemperaturen über 0 8C. Bereits bei
Temperaturerhöhungen imMinusbereichnehmenBewegungenundBrüche im
Fels rapide zu (Davies et al., 2000). Permafrosterwärmung inden Felswänden
derAlpenkanndahereinenegativephysikalischeWirkungaufdieFelsstabilität
zugeschriebenwerden.ZusätzlichkönnenEiswachstuminKlüftenundSpalten
(sog. Segregationseis) und das Auftreten von Frost-Tau-Zyklen zu erhöhtem
Druck im Fels führen, und somit zu vorbereitenden Faktoren für Felsstürze
werden. Daraus ergibt sich, dass nicht allein eine Temperaturerhöhung aus-
schlaggebend für die Entstehung vonFels- undBergstürzen imPermafrostbe-
reich ist, sondern oft einemeist unbekannteAnzahl an Faktoren das Ereignis
vorbereitet und ausgelöst haben.Während kleinere Ereignisse (< 100.000m3)
meist als Reaktion auf kurzfristige, extremeTemperaturerhöhungen (Hitzepe-
rioden)entstehenundsomitgehäuft indenSommermonatenstattfinden,treten
größereStürzedasganzeJahrüberauf(Luethietal.,2015).Derzeitwerdendrei
Mechanismendiskutiert wie ein Temperaturanstieg imPermafrost zurAuslö-
sungvonSturzprozessen führenkann:
1) Erwärmung von Klufteis und Felskontakten durch konduktiven Wärme-
transport. Hierbei wird mit zunehmender Tiefe ein zeitlicher Verzöge-
rungseffekt angenommen, bis ein Temperaturimpuls in den Permafrostbe-
reichvordringt.SolassensichauchFelsstürzeerklären,dieimHochwinter in
Permafrostgebietenentstehen(Phillips et al., 2017).
2) Eindringendes Schmelzwasser in Klüften führt zum Auftauen von Eis im
UntergrundundAufbauvonKluftwasserdruckundsetzt somitdieStabilität
herab.
PermafrostundNaturgefahren 547
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
zurück zum
Buch ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich"
ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Titel
- ExtremA 2019
- Untertitel
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Autoren
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Herausgeber
- Katrin Sattler
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 778
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute