Seite - 589 - in ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
in Abständen von 100 bis 200 Jahren – von Erdbeben der Intensität 88 und
darüberheimgesuchtwurde.
Meistenswerden schwächereBebennicht imgesamtenBundesgebietwahr-
genommen,abertatsächlichfindenvieledieserkleinenBebeninBereichenstatt,
indenenesvornichtallzu langerZeit auchstärkereErdbebengegebenhat,die
dannmitschwerenGebäudeschädenverbundenwaren.Oftkannmansichaber
an solcheEreignisse nicht erinnern–oder hat gar keineKenntnis davon,weil
diese Erdbeben schon sehr lange zurück liegen und sich der Erinnerung ent-
ziehen.NurwenigePersonenkönnensichinzwischennochandasErdbebenvon
SchwadorfbeiWien imJahr1927oderObdach1936oderPuchberg1939erin-
nern.AuchdasErdbebenvonSeebenstein imJahr1972 istbereitsder jüngeren
Generation kein Begriffmehr, obwohl die Auswirkungen aufWien beachtlich
waren (Drimmel undDuma, 1974). Obwohl das Epizentrum60kmvonWien
entferntwarstürztendamalsu.a.15MeterderBalustradederUniversitätWien
auf denBürgersteig, unddie Feuerwehrmusste hunderteMale ausrückenum
herabgestürzteKaminevondenStraßenundGehwegenzubeseitigen.
Seit 1.April 2000 existiert im Erdbebendienst ein Bereitschaftsdienst, der
gewährleistet, dass die entsprechenden Stellen des StaatlichenKrisenmanage-
mentsübereinwahrgenommenesErdbebensofortKenntnis erhalten.
Fachbegriffe undDefinitionen (Abbildung01)
Epizentrum:Projektion des Erdbebenherdes an der Erdoberfläche, entspricht
meistdemOrtder stärkstenAuswirkung (Fühlbarkeitbzw.Schäden).
Erdbebengefährdung:Als»Erdbebengefährdung«wirdeineBodenbewegung
(meist inhorizontalenBeschleunigungendesBodens)angegeben,diemiteiner
bestimmten Wahrscheinlichkeit an einem definierten Standort nicht über-
schrittenwird (Lenhardt, 1995, 1997).Damit unterscheidenwir sie grundsätz-
lich vom »Erdbebenrisiko«, das die Wahrscheinlichkeit eines bestimmten
Schadens –meist als Schadenskosten ausgedrückt – beschreibt. Dieser hängt
vonder Erdbebengefährdung sowie derAnfälligkeit undNutzung vonBauob-
jekten ab.Manchmalwerden auchProduktionsausfällemitberücksichtigt.Das
Erdbebenrisiko ist nicht nur für Versicherungen von Interesse, sondern zeigt
auch die wirtschaftlichen Konsequenzen von Erdbeben in ihrer vollen Band-
breite (Schäden an wichtigen Infrastrukturen, Unterbrechung von Verkehrs-
wegenbzw.Transportrouten,Tourismus) auf. FürdiePlanungundErrichtung
von Bauwerken sind deshalb Standortbewertungen von großer Bedeutung,
welchedieGebäudebelastungeninAbhängigkeitderNutzungsdauer(inEuropa
werden 50 Jahre für gewöhnlicheWohngebäude angenommen) und dem ak-
zeptablenRestrisiko (inEuropa10%)berücksichtigen (Lenhardt, 2010).
ImWeiteren unterscheidet man zwischen »probabilistischen« und »deter-
ministischen« Gefährdungsaussagen. Während erstere auf statistischen Be-
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Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
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Buch ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich"
ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Titel
- ExtremA 2019
- Untertitel
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Autoren
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Herausgeber
- Katrin Sattler
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 778
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute