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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
aufgrundeinesInformationsdefizitsinBezugauf(1)daszeitlicheundräumliche
Auftreten vonNaturgefahren und (2) Ansätze undKonzepte zur Vermeidung
vonVerlustennicht sehrweit verbreitet (Thaler et al., 2018a).DarĂĽber hinaus
existieren inĂ–sterreichunterschiedlicheStrategien,umdieAuswirkungenvon
Naturgefahrenzuverringern, insbesondere inBezugaufdieKompensationvon
Schäden (Prettenthaler und Vetters, 2005). Diese Strategien, vor allem der
staatliche Katastrophenfonds (RepublikĂ–sterreich, 1996, 2005) und private
Versicherungslösungen, sind weder in Bezug auf die Risikominimierung be-
sonders koordiniert noch schaffen sie erheblicheAnreize,Verluste zu vermei-
den, einAspekt, der in Bezug auf die institutionelleVulnerabilität in den fol-
gendenAbsätzendetaillierterdiskutiertwird.
Mehrere Autoren argumentieren, dass neben politischen Gremien und
nachgeordnetenBehörden – oft aufgrundder jeweiligen rechtlichenRahmen-
bedingungen–einVersicherungssystemeinvielversprechender institutioneller
Rahmenseinkönnte,umdieVulnerabilitätdurchNaturgefahrenzureduzieren
(fĂĽr eine Zusammenstellung vgl. Ungern-Sternberg, 2004; Fleischhauer et al.,
2006; Fleischhauer et al., 2012). In anderen Studienwurde parallel dargelegt,
dass der institutionelle RahmenvonVersicherungen imBereichvonNaturge-
fahrennureinesuboptimaleLösungdarstelle,zumalderVersicherungsmarktin
Ă–sterreichnichtodernurunzureichendfunktioniert(Prettenthaleretal.,2017).
Der generelle Grund für dieseDefizite liegt in denPhänomenender adversen
Selektionunddesmoralischen (subjektiven)Risikos (JaffeeundRussell, 2003;
Raschky, 2008).BeidePhänomene sind inÖsterreichaufgrundeiner– zumin-
dest imBereichprivaterHaushalte – freiwilligenVersicherunggegenNaturge-
fahren anwendbar (Holub und Fuchs, 2009; Papathoma-Köhle und Thaler,
2018).Adverse Selektion ist definiert als die nachteiligeAuswirkung auf einen
Versicherer, wenn Risiken gezeichnet werden, die eine höhere Verlustwahr-
scheinlichkeit haben als die, die durch den anwendbaren Versicherungstarif
vorgesehenist.Dies tritt indemzurZeit inĂ–sterreichvorherrschendenSystem
auf, da nur PersonenundUnternehmen, die sich in gefährdetenGebieten be-
finden,dazuneigen,VersicherungenabzuschlieĂźen.SubjektivesRisikowirdein
Phänomen bezeichnet, bei dem Individuen sich so verhalten, dass sie ihre ei-
genenBedürfnisse befriedigen können, aber ihrVerhalten aufKosten anderer
(oder der Allgemeinheit) geht. Das Phänomen desmoralischen (subjektiven)
RisikosinBezugaufNaturgefahrenbeschreibteineSituation,indereinePerson,
die teilweise durch einVerlustkompensationssystem (beispielsweise Katastro-
phenfonds)geschĂĽtzt ist,wenigeraufmerksamgegenĂĽbernegativenFolgenvon
Gefährdungen ist, da diese negativen Folgen (teilweise) vomEntschädigungs-
systemgetragenwerden–diesführtschlussendlichzueinemMarktversagenfür
Vorsorgeleistungen(Commissionof theEuropeanCommunities, 2013).
Vulnerabilität686
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
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Buch ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Ă–sterreich"
ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Ă–sterreich
- Titel
- ExtremA 2019
- Untertitel
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Ă–sterreich
- Autoren
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Herausgeber
- Katrin Sattler
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 778
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute