Seite - 696 - in ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
Bild der Seite - 696 -
Text der Seite - 696 -
© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
Zugang zu Bildung oder eine Frage des Geschlechts, die den Rahmen für die
soziale Vulnerabilität inÖsterreich bildet, imGegensatz dazu ist der institu-
tionelle Rahmen aus Landnutzungsvorschriften, Risikotransfermechanismen,
individuellenWünschen und erwarteten wirtschaftlichen Vorteilen von Indi-
viduen oder (einzelnen) gesellschaftlichen Gruppen. Folglich kann dieser
Rahmengenutztwerden,umdiesozialeVulnerabilitätgegenüberNaturgefahren
zuverringern.
In Bezug auf natürliche Extremereignisse liegen viele Landnutzungsvor-
schriftenunddiesichdarausableitenderegionaleEntwicklunginderHoheitder
österreichischen Bundesländer, ebenso wie entsprechende gesetzliche Rege-
lungen(Hattenberger, 2006;Kanonier, 2006). Sowohl fürdie regionaleals auch
für die lokale Planungsebene existierenunterschiedlicheGesetze in Bezug auf
Landnutzung, Flächennutzungsplanung und Gebäudeentwicklung. In Anbe-
tracht vonGebieten, die durchNaturgefahrengefährdet sind, ist dasZiel, Ent-
wicklungsaktivitäten in nicht exponierte Gebiete zu lenken, ein allgemeines
PrinzipzurVerringerungderVulnerabilität,aberauchgleichzeitigaufgrundder
zunehmendenKnappheit (sicherer) Flächen eine wichtige Aufgabe für lokale
Verwaltungsbehörden. Obwohl die übergeordnete Regionalplanung und die
nachgeordnete Raumplanung gesetzlich geregelt sind, ist eineUmsetzung auf
lokaler Ebene nicht unbedingt ableitbar. Aufgrund der besonderen Interessen
der beteiligten Akteure könnten Vorschriften höherer Ordnung in Bezug auf
individuelle lokale Bedürfnisse alternativ gelöst werden, was zu einer verrin-
gertenBelastbarkeitunddamitzueinerhöherensozialenVulnerabilität führen
würde.
In Bezug auf Risikotransfermechanismen, die darauf abzielen, die soziale
Vulnerabilitätzuverringern,liegtderSchwerpunktinÖsterreichbislangaufder
KompensationvonentstandenenSchäden,beispielsweise indemdieKosten für
dieEntschädigungaufeinenVersicherungspoolübertragenwerdenoder indem
öffentliche Ausgaben oder staatliche Beihilfen ausgezahlt werden.Wie in Ka-
pitel 27.2.2erörtert, spielensolchestaatlichenBeihilfeneinegroßeRollebeider
Schadenersatzleistung in Österreich, da Naturgefahren bisher nicht der
Pflichtversicherung unterliegen (Holub und Fuchs, 2009). Da die staatliche
EntschädigungnureinengewissenTeil dermonetärenVerluste abdeckt, ergibt
sich eine signifikante verbleibende soziale Vulnerabilität (vgl. Kapitel 27.2.3).
Diesewird regelmäßig durchprivate Spendenverringert,was zeigt, dass inhä-
renteMechanismeninnerhalbdesgesellschaftlichenNetzwerksinderLagesind,
dienegativenAuswirkungenvonnatürlichenExtremereignissen zubewältigen
und somit die Vulnerabilität erheblich zu reduzieren. Es wird allgemein pos-
tuliert,dassdasLeben invonNaturgefahrenbedrohtenGebietenzurKategorie
derunfreiwilligeingegangenenRisikengehört–auchwenndiesnurzumTeilder
Fall ist, da Betroffene grundsätzlich zwischen verschiedenen alternativen Le-
Vulnerabilität696
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
zurück zum
Buch ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich"
ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Titel
- ExtremA 2019
- Untertitel
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Autoren
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Herausgeber
- Katrin Sattler
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 778
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute