Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Biographien
Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 291 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 291 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

Bild der Seite - 291 -

Bild der Seite - 291 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

Text der Seite - 291 -

Weitere Gutachten 291 gen aus der historischen und juristischen Literatur überfrachtet246. Insofern mag es die ihm zugedachte Funktion eher erfüllt haben, Ferdinand für eine noch immer erwartete Aussprache mit einem päpstlichen Vertreter das Rüstzeug zu liefern. Gundelius und Gienger erklärten sich zwar mit weiten Teilen der Ausfüh- rungen von Vargas einverstanden, fanden aber auch einige schwache Passagen, in denen ihnen die Interessen Ferdinands nicht energisch genug verteidigt schienen247. Sie beanstandeten, Vargas hätte Einwürfe des Papstes, in denen er schmeichelhafte Bemerkungen über König Philipp mit Angriffen auf Ferdinand und Maximilian verbunden, die letzten Reichsabschiede getadelt und sich seiner Machtvollkommenheit über das Reich gerühmt habe, sofort zurückweisen müs- sen248. Die von ihm anscheinend ausgedrückte grundsätzliche Anerkennung päpstlicher Dekretalen zu Reichsangelegenheiten ging ihnen zu weit. Sie hielten dagegen, daß mehrere Konstitutionen von Päpsten erlassen worden seien, die den damaligen Kaisern feindlich gesonnen gewesen und sogar Krieg gegen sie geführt, mithin Gewalt über das Recht gestellt hätten249. Die Machtstellung des Papstes auf diese Weise stabilisieren zu wollen, verstoße gegen die christliche Nächstenliebe. Anerkennung der päpstlichen Dekrete sei nur möglich, sofern der Papst sie auf den Klerus sowie dogmatische und kirchliche Fragen be- schränke und nicht zu weit ausdehne, wie es jetzt geschehen sei250. Eingehend äußerten sie sich zur historischen Fundierung des Rechtes der Deutschen auf das Kaisertum. Über den Übergang (translatio) des Reiches von den Franzosen auf die Deutschen und die Einsetzung (designatio) der Kurfür- sten habe Vargas „obscurius“ geredet, lautete ihr Urteil251, aber es hat den An- schein, daß sie auch bei ihrem Herrn in dieser Hinsicht Defizite vermuteten. Unter Verweis auf die Fortdauer des oströmischen Reiches bis 1453 und auf die Anerkennung des vorletzten byzantinischen Kaisers als Imperator Romanorum durch Papst Eugen IV.252 wird die kuriale Translationstheorie bestritten und dagegen die Ansicht vertreten, im Jahre 800 sei eine Wiederherstellung bzw. Erneuerung des westlichen Reiches erfolgt, als Karl der Große vom römischen Volk und Papst Leo III. „Imperator Augustus designatus et acclamatus est“253, bei dessen Familie dann Recht und Name des Reiches geblieben seien bis zu Arnulf (von Kärnten). Danach aber hätten die deutschen Fürsten, die damals Franken genannt wurden, einmütig Konrad gewählt, dessen Nachfolger Hein- rich I. sei vom Papst anerkannt worden und ebenso Otto I.; mithin hätten die 246 Ein paar Quellennachweise sind, gleichsam als Anmerkungen, auf dem Rand notiert. 247 Vargas’ Vortrag und die von ihm übersandte Liste sind mir in den Wiener Akten nicht begegnet. Ob die auf Andeutungen beschränkte Wiedergabe der Räte korrekt und ihre Kritik berechtigt war, konnte daher nicht kontrolliert werden. 248 fol 47v 249 fol 46r 250 fol 46v: „...non tum late extenderunt ut nunc fuit, sed in ecclesiasticas tantum personas restin- xerunt ac intra terminos fidei sacrorum dogmatum negotiorum ecclesiasticorum constrinxer- unt.“ 251 fol 48r 252 Zur Sache vgl. Ostrogorsky, S. 491f 253 fol 48r CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
zurück zum  Buch Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V."
Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Ferdinand I. als Kaiser