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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 328 -
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Kapitel 5: Der Reichstag in Augsburg 1559328 ihm, wie seine Reaktionen zeigen, sehr ungelegen kam, weil sie von seinem eigenen religionspolitischen Ziel wegführte. In einer internen Beratung der protestantischen Stände am 25. April 1559 hatten alle Anwesenden einmütig dafür gestimmt, das in Regensburg geschei- terte Begehren nach Aufhebung des Geistlichen Vorbehalts wieder aufzugrei- fen63. Aus ihrer Sicht handelte es sich bei diesem Artikel ja nicht um einen ge- nuinen Bestandteil des Religionsfriedens, weil er nicht durch Konsens der Stän- de, sondern durch den Spruch des Königs in den Reichstagsabschied eingesetzt worden war. Ihre Versicherungen, am Religionsfrieden festhalten zu wollen, wurden durch die Wiederholung des Antrags für die Katholiken und vermut- lich auch für Kaiser Ferdinand selbst nicht glaubwürdiger64. Die Mehrzahl der von den protestantischen Ständen diesmal vorgebrachten Gesichtspunkte war natürlich nicht neu: Sie wiederholten, der Geistliche Vor- behalt diskriminiere ihre Religion, sie hätten ihm nicht zugestimmt, die Sorge vor einer Profanierung der geistlichen Fürstentümer sei unberechtigt, zumal sie bereit wären, freie Wahlen der Domkapitel zu garantieren und darüber auf Wunsch Assekurationen auszustellen, die Freistellung werde vertrauensbildend im Reich wirken und die bedrängten Gewissen entlasten. Schärfer akzentuiert wurde, der Geistliche Vorbehalt habe ein besonderes Mißtrauen zwischen den Ständen beider Konfessionen geschaffen und die erhoffte Vergleichung der Religion „nicht wenig verhindert“. Neu waren der etwas süffisante Hinweis, eine Folge der eingeschränkten Gewissensfreiheit sei der Pfarrermangel in man- chen Ländern wie auch in den Erblanden Ferdinands, und die Mahnung, der Kaiser möge bedenken, daß Gottes Zorn über die Unterdrückung seines Wor- tes an den Einfällen der Türken und „auch ander straffen wol zu spuren gewe- sen“65. Die Eingabe wurde von Seld gründlich analysiert, wobei der Reichsvize- kanzler ihre Thesen mit manchmal ironischen Anmerkungen versah66. Seine Kommentare verdeutlichen, daß Seld die protestantischen Ausführungen als scheinheilig empfand und ihrem Angebot, Garantien für den Erhalt der geistli- chen Fürstentümer geben zu wollen, nicht traute. Seine Zweifel an ihrer Erklä- 63 Ernst, Bw. 4, S. 643ff 64 Wie unstimmig aus katholischer Sicht ihr Verhalten war, drückte eine Generation später der kaiserliche Hofrat Erstenberger so aus: „Unnd anfangs ist höchlich zu verwundern, daß die jeni- gen, welche diß Werck der Freystellung vor andern treiben, allenthalben iren grossen eyfer, den sie zu erhaltung ... deß Heiligen Reichs Abschiden, Ordnungen und Satzungen tragen, rhümen ... und doch dabey nit bedenken noch mercken, daß sie eben in deme und dardurch alle Ord- nung gentzliche auffheben und umbkehren...“ (Burgkard, fol 168r). 65 HHStA Wien, RK RTA 43, fol 419r-423r (die Zitate fol 419r u. fol 422v). Das ausgearbeitete Papier stieß bei mehreren Reichsstädten auf Kritik: Straßburg, Ulm, Regensburg, Schweinfurt und Isny fanden die Belange der evangelischen Reichsstädte zu wenig berücksichtigt. Augsburg lehnte die Unterstützung mit der verfassungs- und kirchenrechtlichen Begründung ab, falls etwa der Bischof von Augsburg übertrete, könnte er dann die Jurisdiktion über die Pfarrer in der Stadt wieder beanspruchen (HStA Marburg, PA 1276 fol 143r: Protokoll zum Reichstag, Rein- schrift, Eintrag zum 10.5.1559). 66 HHStA Wien, RK RTA 42, fol 7r: Eigenh. Aufzeichnung Selds CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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