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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 346 -
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Kapitel 5: Der Reichstag in Augsburg 1559346 Kaiser bei positiver Reaktion vorher noch mit ihnen sowie einigen deputierten Reichsständen konferieren sollte. Der Fürstenrat, der über eine Hilfe in vierfa- cher Höhe diskutiert hatte, gab nach und regte nur noch an, auch die Reichs- stände sollten an den Zaren schreiben, aber das lehnte der Kurfürstenrat als unüblich ab, das habe der Kaiser „allein als das oberhaupt“ zu erledigen. Die kaiserliche Prärogative bei internationalen Angelegenheiten wurde also aner- kannt. Man verständigte sich noch, daß der Bischof von Münster und die Her- zöge von Pommern sowie Heinrich der Jüngere von Braunschweig genauere Erkundigungen über den Stand der Dinge in Livland einziehen und dann Vor- schläge machen sollten, wie das Geld einzusetzen sei, das bis zum Februar 1560 erlegt sein sollte176. Der Gedanke einer Gesandtschaft des Reichs nach Moskau, den Ferdinand im Mai anscheinend aufgreifen wollte, war also dahin modifiziert worden, möglichst gemeinsam mit anderen Mächten zu intervenieren. Ferdinand erteilte den Vorschlägen der Reichsstände am 12. August seine Zustimmung177. Sie wurden im „außenpolitischen“ Nebenabschied festgehalten178. Es sei dahinge- stellt, ob Sieberg über den aktuellen Stand der Verhandlungen in Wilna infor- miert war, die wenige Wochen nach Schluß des Reichstags zu den Schutzverträ- gen des polnischen Königs mit dem Ordensmeister Kettler und dem Erzbischof von Riga führten179. Die Supplik, in der der Komtur aus Livland sofort gegen die Beschlüsse des Reichstags Stellung nahm, blieb wirkungslos, obwohl er nochmals die Notwendigkeit einer raschen Truppenhilfe betonte, die vorgese- henen Schritte als unzulänglich und gefährlich kritisierte, denn sie würden den Zaren ermutigen, und mit der – vielleicht als letzte Warnung gemeinten – Er- klärung schloß, wenn als Folge der ungenügenden Unterstützung Livland dem Reich verloren ginge, dürfe man dem Ordensmeister nicht die Schuld geben180. Beratung über die Restitution der lothringischen Bistümer und Städte Nicht die in der Proposition aufgeführten Themen haben den Reichstag zuerst beschäftigt, sondern die Gesandtschaft des französischen Königs. Wie bereits berichtet, hatte Ferdinand sich dafür entschieden, ihr diesmal Geleit und Emp- fang zu gewähren, um sich im Streit mit der Kurie den Vorteil der Anerken- nung als Kaiser durch den allerchristlichsten König nicht entgehen zu lassen181. Auch Philipp II. hielt die Entscheidung seines Onkels für besser, als gar nicht mit der Gesandtschaft zu reden und sie dadurch den Kurfürsten in die Arme zu 176 HStA Marburg, PA 1276, fol 88v-90v: Einträge zum 2. u. 3.8.1559, die Zitate fol 88v u. 90v; Reimann, Verhalten, S. 357f 177 Schirren 3, S. 249ff: Resolution des Kaisers v. 12.8.1559 178 Neue Sammlung 3, S. 181f (§§ 8–17). Falsch datiert (auf Oktober) bei Dreyer, S. 81, und ihm folgend bei Arnell, S. 21. 179 Zivier, S. 615; Arnell, S. 70ff 180 Schirren 3, S. 246ff; Reimann, Verhalten, S. 358f 181 Vgl. Kapitel 4, S. 311 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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