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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 376 -
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Kapitel 6: Religiöse Eintracht und Reform der Kirche376 che behandeln zu lassen und mit den Kontroverslehren zu warten, bis der Krieg entschieden sei124. Stattdessen trafen die Väter mit den Dekreten über Schrift und Tradition, über die Erbsünde und über die Rechtfertigung bis zum Sommer 1546 schon Grundsatzentscheidungen von größter Tragweite und mit letztlich negativen Folgen für die Reunion, während die Reformfragen mit Ausnahme der Residenzpflicht der Bischöfe zurückgestellt wurden125. In einem Ende Januar 1547 entstandenen umfangreichen Gutachten etlicher Räte Ferdinands zur künftigen Reichspolitik ist die Wiener Kritik an dieser Entwicklung greifbar, verbunden mit Überlegungen, wie die Wiederherstellung der Glaubenseinheit trotz des unbefriedigenden und langsamen Konzilsverlaufs voranzutreiben sei126. Karl V. hatte ein Votum Ferdinands zu den anstehenden Problemen angefordert und sich selbst unentschlossen geäußert, ob die Be- handlung der Religionsfrage einschließlich der unumgänglichen Reform besser hinter die Erledigung der anderen Punkte zurückzustellen sei, um mit „Theolo- gen und anderen“ prüfen zu können, welches Verfahren und welche Mittel angemessen seien127. Die meisten Aspekte jenes Gutachtens können hier bei- seite bleiben128. Wichtig ist allerdings der kritische Grundton, daß der Kaiser bzw. seine Berater für die deutschen Probleme nicht genügend Verständnis aufbrächten und daß erfahrungsgemäß die Propositionen für die Reichstage viel zu allgemein gehalten wären. Darum sollte Ferdinand dem Kaiser empfehlen, „die kurzte weg furzenemmen und alle weytlauffigkhait abzeschneiden, auch den stenden die sachen also resolutive furzetragen, dabey sy der kays. mt. ge- muet vernemmen und zue weytleuffigen verzugigen ratschlagen nit ursach ha- ben“. Ferdinand sei es, der mit den auf dem Reichstag getroffenen oder unter- lassenen Regelungen später zurecht kommen müsse129. Diese Mahnungen waren zweifellos gerade im Blick auf die Religionsfrage ausgesprochen: Sie müsse als das zentrale Problem der Reichspolitik jetzt unbe- dingt zur Lösung gebracht werden, denn sonst würde der Sieg ohne Frucht bleiben; Ferdinand möge den Kaiser „dahin bruederlich weysen, damit ir kais. mt. disen punctn bey yeziger gueten occasion lenger nit einstöllen, sonder zu erhaltung der fromben und widerkerung der abgevallnen ye zueletzt ernstlich fur hand nemmen“130. Darum kritisierten die Räte, daß die bisher vom Kaiser besiegten protestantischen Reichsstände nicht verpflichtet worden waren, sich dem Konzil zu unterwerfen, und empfahlen, das noch nachzuholen und künftig bei „Aussöhnungen“ zu berücksichtigen. Andererseits müsse die internationale Beschickung des Konzils verbessert und gewährleistet werden, daß die Prote- stanten keine Ursache zu berechtigten Klagen über ihre dortige Behandlung 124 Jedin, Konzil 1, S. 422 125 Jedin, Konzil 2, passim 126 Gutachten der Räte Gienger, Hofmann und Gaudenz Madruzzo für Ferdinand; gedruckt ARC 5, S. 19–28 127 Karl an F., 9.1.1547, bei Lanz, Corr. 2, S. 525ff, bes. S. 527 128 Eingehend besprochen bei Rabe, Reichsbund, S. 128–132; nur der religionspolitische Abschnitt auch bei Luttenberger, Glaubenseinheit, S. 427. 129 Das Zitat ARC 5, S. 22, Z. 6ff 130 Ebda, S. 22, Z.33ff CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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