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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 517 -
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KAPITEL 8 FRIEDENSSICHERUNG IM REICH Ferdinands Erfahrungen mit Landfriedenseinungen bis 1556 Neben der Verteidigung des christlichen Glaubens und der Beschirmung der Kirche gehörte die Sicherung des Friedens für das Reich und im Reich, nach außen und in seinem Innern, zu den fundamentalen Obliegenheiten des Königs bzw. Kaisers. Obwohl das Reich bekanntlich keine eigenen Exekutivorgane entwickelt hatte, dem König mithin weder ein effizientes Instrumentarium noch regelmäßige Einkünfte für die Bewältigung dieser Aufgaben zur Verfügung standen, schrieben die Kurfürsten seit 1519 die Auflage in die Wahlkapitulatio- nen, der König solle „insonderhait in dem heiligen reiche friden, recht und ai- nigkait phlanzen und aufrichten und verfugen“1. Ferdinand hat diese Ver- pflichtung sehr ernst genommen, zumal ihm spätestens seit der Belagerung Wiens 1529 durch das osmanische Heer bewußt war, daß eine dauerhaft erfolg- reiche Verteidigung gegen osmanische Angriffe den inneren Frieden und ein Mindestmaß an Einmütigkeit im Reich zur Voraussetzung hatte, was die Wie- derherstellung der Glaubenseinheit erheischte, die seit dem zweiten Reichstag von Speyer offenkundig nicht mehr gegeben war. Im Folgenden soll dargelegt werden, inwieweit Ferdinand während seiner Regierung an traditionelle Mo- delle zur Wahrung von Frieden und Recht anknüpfte und welche besonderen Ansätze zu beobachten sind. Zu betrachten sind seine Bündepolitik, seine Be- mühungen um die Ausgestaltung der 1555 in Augsburg vom Reichstag verab- schiedeten Exekutionsordnung, endlich gelegentlich auftauchende, nicht konti- nuierlich verfolgte Überlegungen, im Reich eine stehende Truppe aufzustellen. Bünde und Einungen hatten im Reich als ordnungspolitische Institutionen eine lange Tradition2. Neben ihrer für Initiatoren und Mitglieder, auch den König, primären Zielsetzung, zur effizienten Sicherung von Frieden und Recht in der eigenen – eng begrenzt oder großräumiger wahrgenommenen – Region die organisatorischen Voraussetzungen zu schaffen und im Bedarfsfall gemein- sam zu handeln, dienten sie auch der Gewährleistung eines Gleichgewichts unter den ständisch auf gleicher Ebene stehenden Beteiligten und – engstens damit verbunden – der Verhinderung einer Präponderanz einzelner Herr- schaftsträger. Letzteres hat sich dann, als die Macht Kaiser Karls V. über das erträglich erscheinende Maß angewachsen war3, als wichtiges Hemmnis für den von ihm beabsichtigten kaiserlichen „Reichsbund“ erwiesen. 1 Gleichlautend in den Wahlkapitulationen Karls von 1519 und Ferdinands von 1531 sowie der Obligation von 1558. Zu den Druckorten vgl. Kapitel 3, S. 230 Anm. 145 u. S. 232 Anm. 154 2 Dazu Moraw, Funktion, bes. S. 10ff 3 Ein gewisses Machtpotential des Königs wurde als notwendig erachtet: Erinnert sei an das Votum des Kurfürsten Albrecht von Mainz 1519 zugunsten Karls: „das man einen hern haben moge, der geforcht“ (DRTA 1, S. 843). CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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