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DIE FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK UND DIE PRIVATBIBLIOTHEK FRANZ JOSEPHS 237
5.6.5 Die Konsequenzen aus dem Arbeitsprogramm – Bestandspflege in
und -erweiterung für die beiden Bibliotheken
Der Anklang, den das Arbeitsvorhaben beim Kaiser gefunden hatte, spornt
Becker an, in einem beachtlichen Tempo die angeregten Verbesserungen
und Reformen zu betreiben. Natürlich könnte Franz Josephs beinahe bedin-
gungsloses Entgegenkommen in den einzelnen Punkten nicht nur als reges
Interesse am Fortschritt der kaiserlichen Sammlungen interpretiert werden,
wie Becker es zweifelsohne tat, sondern auch als Versuch, diesen Neben-
schauplatz bei den zahlreichen gewichtigen Inanspruchnahmen des Kaisers
möglichst schnell abzuhandeln, um sich nicht weiter damit beschäftigen zu
müssen.
Widmen wir uns zunächst jenen Punkten, die die Privatbibliothek Franz
Josephs betreffen. Mit der Inventarisierung der in den kaiserlichen Apparte-
ments und Jagdschlössern befindlichen Werke wurde sogleich begonnen. Im
Jahresbericht für 1871 an Kabinettsdirektor Braun stellt Becker allerdings
etwas resignierend fest:
„Leider bin [ich] bis heute noch nicht in der Lage, Seiner Majestät das aller-
höchst gewünschte vollständige Verzeichnis vorlegen zu können, da mir wäh-
rend der Aufnahme in den kaiserlichen Gemächern bedeutet wurde, die Fort-
setzung derselben könne erst später geschehen und man werde mich davon
in Kenntnis setzen, was aber bis jetzt nicht geschehen ist. Dagegen habe ich
zu berichten, dass mir zu gleicher Zeit ein Verzeichnis der in den kaiserli-
chen Jagdhäusern zu Langbarthsee, Offensee und Mürzsteg vorfindlichen Bü-
cher zugemittelt und eine Anzal [sic] literarischer Werke aus der kaiserlichen
Kammer zur Aufnahme in die allerhöchste Privatbibliothek ausgefolgt wur-
den, welche letztere sämtlich schon in den Katalog aufgenommen und ihrem
Standorte zugewiesen sind.“743
Des Weiteren weist Becker die Kabinettskanzlei darauf hin, dass nun ihm
alleine die Auswahl und Anschaffung jener Werke, die von Franz Joseph
„zum unmittelbaren Gebrauche gewünscht werden“, obliege und er über
sämtliche Unternehmungen, sei es literarischer oder künstlerischer Na-
tur, unterrichtet werden möchte, die vom Monarchen finanziell unterstützt
oder gar pränumeriert werden und von denen eine bestimmte Anzahl von
Exemplaren zu erwarten sei.744 Neben den genannten Listen aus den Jagd-
743 FKBA27032, fol. 2v–3r.
744 Ebenda, fol. 3r.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken