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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM458
rellen erworben (vgl. Abschnitt 2.2.3 u. Abschnitt 2.3.2). Von besonderer Be-
deutung war für die Fideikommissbibliothek auch Jureczeks Ausbildung im
Geniewesen, die es ihm ermöglichte, genaue Berechnungen über den Platz-
bedarf anzustellen und Pläne zu zeichnen, als dies im Zuge der Übersiedlun-
gen notwendig wurde (vgl. Abschnitt 1.5).
Franz Schnürer (1859–1942)
Ungefähr ein Jahr nach Jureczek wurde Franz Schnürer in die Belegschaft
der Fideikommissbibliothek aufgenommen und das war, wie sich zeigen
wird, der wichtigste personelle Zuwachs innerhalb meines Betrachtungs-
zeitraums. Schnürer stammte aus einfachen Verhältnissen, er war der Sohn
eines in Wien, im dritten Bezirk ansässigen Tapezierers. Einiges deutet da-
rauf hin, dass der Knabe überdurchschnittlich intelligent und zielstrebig
war: So soll er den Besuch des Gymnasiums gegen den Willen seines Vaters
durchgesetzt und sich bereits 1877, noch während seiner Schulzeit, mit dem
Gedanken der Gründung einer eigenen Zeitschrift getragen haben.85 Nach
der Matura begann er, 1877 an der Universität Wien Germanistik zu stu-
dieren. Die weitere Ausbildungsphase war allerdings durch Brüche gekenn-
zeichnet. Nach mehreren Unterbrechungen des Studiums, in denen Schnü-
rer bei der Grazer Tagespost arbeitete, setzte er dieses in Innsbruck fort, wo
er am 15. Juli 1884 zum Doktor der Philosophie promovierte.86
Wie kam Schnürer nun an die Fideikommissbibliothek? Leider sind in den
einschlägigen Archiven keine Akten vorhanden, die seine erste Einstellung
betreffen. Das früheste mir bekannte Dokument, das darüber Auskunft gibt,
ist ein langes Memorandum aus der Feder Beckers vom 7. Februar 1887,
in dem er u. a. die Beförderung Schnürers zum dritten Skriptor beantragt.
Darin heißt es, dass dieser „am 1. Jänner 1885 bei der kk. Familienfideicom-
missbibliothek in probeweise Verwendung“ genommen wurde.87 Eine leichte
Abweichung dazu enthält ein Personalblatt, das Bibliotheksdirektor Zhish-
man zusammen mit den entsprechenden Schriftstücken für alle übrigen
Bibliotheksangestellten im Mai des Jahres 1893 an die Generaldirektion
weitergeleitet hat, nachdem er von dieser zwecks Berechnung der Pensions-
ansprüche darum gebeten worden war.88 Darauf ist zwar übereinstimmend
mit der zuvor zitierten Quelle vermerkt, dass Schnürer am 1. Jänner 1885
als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter in die Fideikommissbibliothek auf-
85 Jenner, Schnürer, 6 u. 11.
86 Jenner, Schnürer, 13–17.
87 FKBA31077, fol. 24v.
88 FKBA33090; Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, J.R., R. 5, Kt. 534, Z. 2198 ex. 1893.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken