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Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
Seite - 480 -
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KAISERLICHES INSTITUT UND ERINNERUNGSRAUM480 Verantwortung übernimmt, dass die Sicherheit des Bücherbestandes nicht ge- fährdet werde, und die in der Zuschrift des k. k. Bezirksgerichtes Josefstadt in Civilsachen angedeutete und wegen ihrer scheinbaren Anrüchigkeit näher zu untersuchende Genesis der gegenwärtigen Mahnklage diese Maßregel nicht erforderlich macht.“168 Die Auszahlung einer Neujahrsremuneration von 100 K an Scherr lehnte Chertek jedoch ab. Karpf hatte inzwischen einen Gerichtsadvokaten beigezo- gen; er ließ sich beglaubigen, dass bei der Ursache für die Mahnklage keine „ehrenrüchige[n] Nebenumstände“ im Spiel waren und bekam von Scherr die Zusicherung, „dass er demnächst die Mutter seines Kindes heiraten werde und dass er dann in ein geordnetes Familienleben treten werde.“169 Das Misstrauen des Generalsdirektors war damit nicht beseitigt. Er for- derte weiters Auskunft darüber, ob „das fernere Verbleiben Scherrs im aus- hilfsweisen Dienste dieser Administration einem wirklichen Bedürfnisse entspricht.“170 – Anscheinend waren die Sorgen Cherteks nicht ganz unbe- gründet. Anfang des Jahres 1906 wurde nämlich ein Verlust in der Fidei- kommissbibliothek gemeldet: Die Medaille auf die Einweihung der Votiv- kirche lag nicht an ihrem Aufbewahrungsort in einem versperrten Kasten. Alle Nachforschungen blieben zunächst ergebnislos; polizeiliche Ermittlun- gen im In- und Ausland wurden „in discreter Weise“ eingeleitet. Chertek untersagte, die Staatsanwaltschaft davon in Kenntnis zu setzen, „da die Nachtheile der Publicität größer erscheinen als der materielle Verlust.“ Die Medaille tauchte schließlich bei einem Pfandleiher im IX. Wiener Bezirk auf, wo sie mit einem Betrag von über 800 K. belehnt war. Schnürer teilte dies am 15. Juni 1906, dem Tag seines Amtsantritts als Bibliotheksleiter, Cher- tek mit; die Information darüber hatte er von seinem Vorgänger Karpf. Als jene Person, die die Medaille verpfändet hatte, wurde Matthias Scherr aus- geforscht, der danach sofort entlassen und in Untersuchungshaft genommen wurde. Die Medaille und eine goldene Uhr, die Scherr ebenfalls entwendet hatte, wurden um den Betrag von 1.000 K. ausgelöst; von einer Beteiligung am Prozess gegen Scherr sah man ab, da eine Erstattung der Kosten durch diesen nicht zu erwarten war. Chertek ließ indes eine interne Untersuchung über das Zustandekommen des Diebstahls durch einen Beamten der Gene- raldirektion durchführen. Damit sollte in erster Linie geklärt werden, in- wieweit Karpf den Diebstahl durch fahrlässiges Handeln mitverschuldet hatte. Alle Bibliotheksmitarbeiter wurden dazu einzeln befragt, und inter- 168 FKBA36223, fol. 8r–v. 169 FKBA36223, fol. 15r. 170 FKBA36223, fol. 16v. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 Metamorphosen einer Sammlung
Titel
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Untertitel
Metamorphosen einer Sammlung
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21308-6
Abmessungen
17.4 x 24.5 cm
Seiten
1073
Kategorien
Geschichte Chroniken
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