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Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
Seite - 481 -
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BIBLIOTHEKSGESCHICHTE 481 essanterweise waren es vor allem die Diener, die mit ihren Aussagen ihren ehemaligen Chef belasteten.171 Die Untersuchung ergab deshalb, dass Karpf „an diesem Vorkommnisse […] ein wesentliches Verschulden“ trug, und zwar aus zweierlei Gründen: Zum einen war der Schlüssel zu dem Kasten, in dem die Medaille aufbewahrt wurde, nicht einem Beamten, sondern dem dien- stältesten Bibliotheksdiener anvertraut worden, der ihn noch dazu in einer unverschlossenen Schublade verwahrte; andererseits hatte Karpf mit dem Entschluss, Scherr nicht bereits 1903 trotz wiederholter „Exekutionen und mit Rücksicht auf dessen ständige finanzielle Kalamitäten“ zu entlassen, die von Chertek am 27. November 1903 geforderte Verantwortung über die Bib- liotheksbestände und „für seine [Scherrs] Vertrauenswürdigkeit übernom- men“. Mit diesem Argument schließlich forderte Chertek am 22. Juli 1906 von Karpf sogar die Erstattung der der Bibliothek durch den Diebstahl er- wachsenen Kosten von 1.000 K.172 Dieser antwortete am 4. August mit einem ausführlichen Rechtfertigungsschreiben, in dem er verschiedene Argumente zu seiner Verteidigung anführt: u. a., dass die frei zugängliche Aufbewah- rung auch wertvoller Gegenstände und die Überlassung der Vitrinenschlüs- sel an die Bibliotheksdiener bei seinen Vorgängern bereits üblich gewesen seien. Wäre der Diebstahl nicht passiert, dann wären laut Karpf die Sicher- heitslücken bis dato niemandem aufgefallen. Was Scherr betrifft, so beruft sich Karpf darauf, dass dieser „von der früheren Direction […] u. z. auf beste Empfehlung in den Dienst aufgenommen“ wurde. Er selbst habe stets „von den mißlichen Verhältnissen“ des Bibliotheksdieners berichtet und die Ge- neraldirektion hätte „dessen Entfernung vom Dienste ohne weiteres anbe- fehlen“ können.173 – Schnürer verfasste zwölf Tage später ein Gutachten zu den Erklärungen Karpfs, in dem er dessen Argumente einzeln widerlegt und als Rechtfertigungsgründe für Karpfs fahrlässiges Handeln bloßstellt. Und dennoch versucht er in seinem Schlussplädoyer, Karpf zu rehabilitieren, und empfiehlt, von der Schadensersatzforderung abzusehen.174 Chertek ist dem letztlich gefolgt, betonte jedoch gegenüber Alois Karpf, er möge in der Nach- sicht der Forderung „lediglich die gnadenweise Erfüllung der in jenem Gesu- che gestellten Bitte erblicken“.175 171 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, J.R., R. 5, Kt. 537, Z. 2855 ex. 1906: Protokoll über die vom Hofkonzipisten Erwin Schenek zwischen dem 3. und dem 6. Juli 1906 in der Fideikommiss- bibliothek durchgeführten Erhebungen. 172 FKBA37124, fol. 32r–33r. 173 FKBA37124, fol. 36r–37v. 174 FKBA37124, fol. 38r–39r. 175 FKBA37124, fol. 40r. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 Metamorphosen einer Sammlung
Titel
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Untertitel
Metamorphosen einer Sammlung
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21308-6
Abmessungen
17.4 x 24.5 cm
Seiten
1073
Kategorien
Geschichte Chroniken
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