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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM510
der schätzbare Notizen aus der historischen Vergangenheit Oesterreichs
enthalten, und Seine Majestät meinem allerunterthänigsten Antrage, die
Austriaca zu pflegen, seiner Zeit Allerhöchst Folge zu geben die Gnade hat-
ten.“ Zugleich merkt er jedoch an: „Zur Aufnahme jedoch in die Allerhöchste
Privatbibliothek wäre ich nur dann berechtigt, wenn mir diese literarischen
Erzeugnisse als von Seiner Majestät dem Kaiser allergnädigst angenommen
[…] zugemittelt würden.“262 Ganz ähnlich ist schließlich der Fall des Kloster-
neuburger Archivars Ubald Kostersitz gelagert, dessen Werk „Monumenta
sepulchralia […]“ Becker 1881 an das Oberstkämmereramt weiterleitete, um
die Widmung im Rahmen eines „literarischen Vortrages“ und die Annahme
durch den Kaiser zu erwirken, da „dieses Werk eine mit aller Sorgfalt gear-
beitete Darstellung der Grabinschriften der Stiftskirche zu Klosterneuburg
enthält und die archäologisch-historische Literatur Nieder-Oesterreichs in
dankenswerter Weise bereichert, da ferner der Verfasser […] dem ergebenst
Unterzeichneten als ein sehr achtbarer Mann bekannt ist […]“.263
Diese Fallbeispiele würden eigentlich darauf schließen lassen, dass es Au-
toren nicht möglich war, ihre Werke der Fideikommissbibliothek unmittel-
bar zu schenken. Doch dem widerspricht die Evidenz der weiteren Entwick-
lung. Tatsächlich wurde die Mehrzahl der Bücher, die von ihren Verfassern
unentgeltlich an die Sammlung eingesandt worden waren, bis ca. 1890 dan-
kend angenommen. Das hat, ebenso wie bei den wenigen Fällen von Ableh-
nung, nachvollziehbare Gründe. Denn die Offerenten waren hauptsächlich
renommierte Autoren und meist auch Personen in angesehenen öffentlichen
Positionen. Karl Lind, Ministerialrat und Mitglied der k. k. Zentralkommis-
sion für Kunst und historische Denkmale schickte im Jahr 1880 zwei selbst-
verfasste Arbeiten über mittelalterliche Grabdenkmäler in Österreich.264
Der bekannte deutsche Chemiehistoriker und Professor an der Universität
Heidelberg Hermann Kopp stand mit Becker in intensivem fachlichen Aus-
tausch und übersandte als Dank für erteilte Auskünfte zwei seiner kultur-
geschichtlichen Schriften an die Bibliothek.265 Der Architekt Franz Berger
war seit 1882 Leiter des Wiener Stadtbauamtes und zeichnete als solcher für
den umfassenden Ausbau der Infrastruktur der Stadt verantwortlich.266 Sein
Buch „Projekt für die Wienfluß-Regulirung in Verbindung mit der Stadt-
bahnfrage“, das er 1883 der Fideikommissbibliothek verehrte,267 hatte für
262 FKBA28106, fol. 4r.
263 FKBA30027, fol. 2r.
264 FKBA29056.
265 FKBA29074; FKBA31055.
266 ÖBL, Bd. 1 (1957), 563; Czeike, Lexikon, Bd. 1 (1992), 8.
267 FKBA30090.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken