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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM516
emplar des Buches wurde zurückgesandt, jenes, das Baumgartner Zhishman
persönlich verehrte, nahm dieser dankend an, da die „Direction […] lediglich
berechtigt [ist] in ihrem eigenen Namen Werke von Verfassern, die ihr solche
widmen, entgegenzunehmen“.286
Noch ein letztes Fallbeispiel für die Ablehnung von Gratiszuwendungen
unter Zhishman soll hier näher betrachtet werden, da mit ihm gewisserma-
ßen der Referenzwortlaut für zukünftige Antwortschreiben entstand. Im Ok-
tober 1891 hatte der Verleger Fridolin Plant einen Führer von Meran und
Umgebung an die Fideikommissbibliothek gesandt und dies damit begrün-
det, er „hege […] den sehnlichen Wunsch das Buch möge gnädigst in die Pri-
vatbibliothek Sr. Majestät […] aufgenommen werden.“287 Im Antwortschrei-
ben, dessen Konzept wieder von Alois Karpf stammt, wird mitgeteilt: „Den
Empfang Ihres geschätzten Schreibens und Führers durch Meran dankend
bestätigend, beehre ich mich zu erwidern, dass die Vermittlung von Wid-
mungen von Bücherwerken an die k. u. k. Familien-Fideicommiss-Bibliothek
durch Seiner k. u. k. Apost. Majestät Oberstkämmereramt erfolgt.“ Danach
werden die vorgeschriebenen Modalitäten erläutert, nach denen das Gesuch
und die Einsendung der Werke zu erfolgen hatte. Bemerkenswert ist, dass
die Formulierung „Vermittlung von Widmungen von Bücherwerken an die
k. u. k. Familien-Fideicommiss-Bibliothek“ von Zhishman zu „Vermittlung
von Bücherwerken an die k. u. k. Familien-Fideicommiss-Bibliothek behufs
Ah. Annahme“ korrigiert wurde.288 Der geänderte Wortlaut trägt nicht unbe-
dingt zum besseren Verständnis der Angelegenheit bei, sollte aber wohl der
Eindruck vermittelt werden, dass Schenkungen an die Bibliothek nur über
den Weg der „allerhöchsten Annahme“ erfolgen konnten. Die Formulierung
des Konzeptes wurde zur Standard-Antwort und in allen nachfolgenden Fäl-
len der Rücksendung von Gratiszuwendungen unter Zhishman mehr oder
weniger im gleichen Wortlaut übernommen.289
Eine Folge der restriktiven Haltung Zhishmans gegenüber Schenkungen
könnte gewesen sein, dass sogar der Präsident der Central-Commission für
Kunst- und historische Denkmale, Joseph Alexander von Helfert, im Jahr
1891 bei Kaiser Franz Joseph persönlich ansuchte, um die aktuellen Jahr-
gänge der „Mittheilungen“ dieser Institution an die Fideikommissbibliothek
Baumgartner erwiderte daraufhin ein wenig resigniert: „Es wäre wol ganz unbescheiden
von mir, in dieser unbedeutenden Sache einen solch umfängl. amtl. Weg zu beschreiten
[…]“ (ebenda, fol. 6r).
286 FKBA32101, fol. 4v.
287 FKBA33059, fol. 1r.
288 FKBA33059, fol. 3r.
289 Vgl. FKBA33117, FKBA33128, FKBA34018, FKBA34110; Rücksendungen, bei denen das
Konzept des Antwortschreibens nicht erhalten ist, unter FKBA3308 u. FKBA34113.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken