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BIBLIOTHEKSGESCHICHTE 523
in der Generaldirektion aufgrund
der Originaldokumente auch des
Umstandes, dass gemäß dem Hand-
schreiben Kaiser Ferdinands vom
10. Dezember 1839 „die Competenz
zur Behandlung der litterarischen u.
Kunst-Einsendungen dem Oberst-
kämmerer nur dann zusteht, wenn
sie an Sr. Majestät selbst gerichtet
sind.“314 Chertek beauftragte Schnü-
rer damit, diese beiden Sachverhalte
Weckbecker mitzuteilen und ihn
aufzufordern, sich mit seinem Anlie-
gen direkt an die Generaldirektion
zu wenden, da dessen Umsetzung
als „System-Änderung betrachtet
werden“ müsste.315 Nach dieser Er-
öffnung nahm der Kanzleidirektor
im Oberstkämmereramt von seinem
„in Unkenntnis eben dieser Sachlage
vor etwa Jahresfrist mündlich ausgesprochenen Wunsche wieder Abstand“,
merkte jedoch an, dass der Umstand, dass „der Bibliotheksleitung im Jahr
1900 ausdrücklich die Ermächtigung zur Annahme solcher Zusendungen,
welche nicht Seiner Majestät sondern lediglich der Bibliothek zugedacht
sind, erteilt worden ist“, „bisher hieramts nicht bekannt war“.316
Weckbeckers Versuch, die Entscheidungskompetenz über die Annahme
der Gratiszuwendungen an die Fideikommissbibliothek zu beanspruchen
bzw. wiederzuerlangen, hätte sich beinahe als Bumerang erwiesen. Denn
Generaldirektor Chertek war der Meinung, dass sich die Bestimmungen des
kaiserlichen Handschreibens von 1839 nicht einfach auf die gegenwärtige Si-
tuation übertragen ließen, da damals der „1849 kreierte Fideikommiß, dem
die Bibliothek untergereit wurde, noch nicht bestanden, ebensowenig [...] die
Gen[eral] Di[rekti]on, welcher diese Bibliothek untergeordnet wurde. Wenn
letzteres der Fall gewesen wäre, so würde die Antragstellung bez[üglich] der
in die Bibliothek aufzunehmenden Bücher gewiß nicht dem Oberstkämme-
reramte sondern der Gen[eral] Di[rekti]on übertragen worden sein“. Cher-
tek beanspruchte deshalb, dass die Auswahl der dem Kaiser zur „Annahme“
314 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, J.R., R. 5., Kt. 537, Z.4476 ex. 1906.
315 FKBA37161, fol. 3r–4r.
316 FKBA37161, fol. 7r–v. Abb. 9: Drucksorte für die Antwortschreiben
an jene Personen, die eine „allerhöchste
Annahme“ ihrer Werke anstreben
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken