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Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 - Metamorphosen einer Sammlung
Seite - 546 -
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KAISERLICHES INSTITUT UND ERINNERUNGSRAUM546 von seiner Witwe Luise Charlotte von Bourbon mit verschiedenen Aufla- gen an die Jesuiten in Rom vermacht. Eine der Bedingungen bestand darin, dass die Bibliothek im Falle einer Auflösung des Ordens dem Kaiser von Österreich zufallen sollte. Da die Schließung der römischen Niederlassung der Jesuiten durch den italienischen Staat 1873 tatsächlich drohte, wurde die Bibliotheca Rossiana zunächst in die österreichische Botschaft verbracht und 1877 nach Wien übersiedelt. Dies war aber nach den in Italien gelten- den Ausfuhrbeschränkungen nur deshalb möglich, weil sie als Eigentum des Kaisers von Österreich deklariert wurde. Die Kosten für den Transport wurden außerdem aus der kaiserlichen Privatkasse bestritten.431 Dieses En- gagement für die Erhaltung der Bibliothek sowie die Bestimmung der Her- zogin Luise Charlotte, dass sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wer- den sollte, waren für die weitere Besitzgeschichte der Bibliotheca Rossiana von entscheidender Bedeutung. Denn in Wien waren die Jesuiten zunächst keineswegs in der Lage für eine geeignete Unterbringung des Bestandes zu sorgen, in der dessen Erhaltung gesichert war, geschweige denn für seine allgemeine Benutzbarkeit. Die Bibliothek wurde in einem Gewölbe im alten Universitätsgebäude in Wien, dem ehemaligen Jesuitenkollegium, gelagert, das aufgrund von Feuchtigkeit völlig ungeeignet dafür war. In den Jahren 1888 bis 1890 hatte der damalige Direktor der Fideikommissbibliothek, Josef von Zhishman, den Zustand und die Aufbewahrung der Bibliotheca Rossiana mehrmals begutachtet und ihre Übergabe in die Obhut des Kai- sers wegen der offensichtlich mangelhaften Lagerung gefordert. Zhishman wollte die Sammlung jedoch keineswegs für die damals an Raumnot leidende Fideikommissbibliothek gewinnen, sondern sie in der Universitätsbibliothek Wien aufstellen lassen, wo die allgemeine Benutzbarkeit gewährleistet hätte werden können.432 Daraus wurde jedoch nichts. 1895 wurde die Bibliotheca Rossiana in das neuerbaute Jesuitenkollegium in Lainz übersiedelt. Erst fünfzehn Jahre später wollte sich der Orden freiwillig von der Büchersamm- lung trennen. Ende Mai 1910 schlug der damalige Provinzial Johann Baptist Wimmer vor, die Bibliotheca Rossiana an eine kaiserliche Bibliothek abzuge- ben, wenn den Jesuiten die dabei abfallenden Dubletten zum Verkauf über- lassen würden. Dies wäre auch mit dem Willen der Stifterin vereinbar.433 Das Angebot wurde sowohl an die Hof- als auch an die Fideikommissbib- liothek weitergeleitet. Der Vorstand der letzteren, Franz Schnürer, meinte daraufhin, 431 FKBA32040, fol. 9v–10r; Gollob, Bibliothek; Neues Wiener Tagblatt, Nr. 155 v. 07.06.1909, 16. 432 FKBA31052; FKBA32040; 433 FKBA38227, fol. 1–2. Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918 Metamorphosen einer Sammlung
Titel
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Untertitel
Metamorphosen einer Sammlung
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21308-6
Abmessungen
17.4 x 24.5 cm
Seiten
1073
Kategorien
Geschichte Chroniken
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