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BIBLIOTHEKSGESCHICHTE 559
signaturen nicht einfach in die alten Kataloge nachgetragen werden konn-
ten. Wichtig ist jedoch, dass die Neuordnung der Porträtsammlung auch
darauf abzielte, „alle bis jetzt in den verschiedenen Catalogen zerstreuten
Eintragungen in den bis jetzt vollständigsten d. I. den alten alphabetischen
Zettelkatalog zu vereinen“.488 Gemeint ist damit die sog. „Beetz-Kartei“, die
alphabetisch geordnete Katalogzettel (zur Stände-Abteilung) von den 1820er
Jahren bis in das 20. Jahrhundert enthält, auf denen auch der Stand der
dargestellten Person angegeben ist. Anscheinend hatte sich die Einsicht
durchgesetzt, dass ein alphabetisch geordneter Zettelkatalog bei Ergänzun-
gen am einfachsten zu handhaben und zugleich das effizienteste Hilfsmittel
zur Auffindung der Porträtgrafiken war.489
Kunstsammlung
Becker ergriff aber auch die Initiative zu einer Revision, Inventarisierung
und Neu-Katalogisierung der Kunstsammlung. Im Unterschied zu den drei
anderen großen Teilen der Fideikommissbibliothek (Bücher, Porträt- und
Landkartensammlung) war dieser Bestand alles andere als einheitlich. Die
Kunstsammlung war weder systematisch angelegt worden, noch bildete sie
konzeptionell oder physisch eine Einheit. Im Grunde handelte es sich um
ein Konglomerat von zahlreichen Beständen, die großteils eher zufällig und
nicht durch gezielten Ankauf in die Sammlung gelangt waren (vgl. Tabelle
2).490 Folglich existierte für die Kunstsammlung auch kein gemeinsamer
Katalog; es gab nur eine Reihe von Zettelkatalogen zu den Teilbeständen,
sofern überhaupt Verzeichnisse vorhanden waren. Ein weiterer Mangel,
der auch die Porträtsammlung betraf, bestand darin, dass zu diesen Samm-
lungsteilen keine Standortsrepertorien existierten. Derartige Verzeichnisse,
die die Verbindung zwischen den Sammlungsobjekten, einer als Numerus
currens geführten „unveränderlichen Zahl“ („Bibliothekszahl“), die das wich-
tigste Identifikationsmerkmal darstellt, und dem Standort (Signatur) her-
stellen, waren das beste Hilfsmittel, um das Vorhandensein eines Werkes
und seinen Aufbewahrungsort jederzeit bestimmen zu können. Sie waren
deshalb unabdinglich für die Evidenzhaltung der Inventur und für jede Re-
vision. Standortsrepertorien existierten aber nur für die Bücher- und Land-
kartensammlung. Sie waren bis 1859 kopiert und 1860 als Inventare dieser
488 FKBA31100, fol. 10r–v.
489 Diese Einschätzung auch bei Karpf, Hilfsapparat 2, 140.
490 Eine Aufstellung der einzelnen Gruppen mit Kommentaren u. a. zur Charakteristik, zum
Umfang und zu den vorhandenen Katalogen gibt Jureczek im Konzept zu einer Denkschrift
von 1907: FKBA37180, fol. 10r–12r.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Titel
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Untertitel
- Metamorphosen einer Sammlung
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Abmessungen
- 17.4 x 24.5 cm
- Seiten
- 1073
- Kategorien
- Geschichte Chroniken