Seite - 140 - in Friedensgutachten 2020 - Im Schatten der Pandemie: letzte Chance für Europa
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1 Besserer Schutz für Betroffene rechtsex-
tremer Gewalt Migranten und Menschen mit
Migrationshintergrund, Menschen jüdischen
Glaubens, Kommunalpolitiker und Medienschaf-
fende sind zunehmend Zielscheiben rechtsex-
tremer Drohungen und Angriffe. Der Schutz der
Betroffenen sollte oberstes Gebot sein.
2 Rechtsterrorismus als solchen benennen
und bekämpfen Europaweit ist Deutschland
das Land mit den meisten Fällen rechtsex-
tremer Gewalt. Angriffe auf Minderheiten
und Politiker sind Anschläge auf die offene
Gesellschaft. Sie sind mit der gleichen Ent-
schlossenheit als terroristisch einzustufen und
zu bekämpfen wie terroristische Gewalt aus
anderen Spektren.
3 Bekämpfung des Rechtsextremismus und
-terrorismus als gesamtgesellschaftliche
Aufgabe begreifen Um Rechtsextremismus
und -terrorismus zu bekämpfen, sollte die
Demokratie stärker gefördert und vermittelt
werden. Es dürfen nur solche Mittel verwendet
werden, die mit der Medien- und Informations-
freiheit uneingeschränkt vereinbar sind.
4 Instrumente zur Verfolgung von Hassrede
konsequent anwenden Polizei und Justiz
verfügen über die Instrumente, um Hassrede
zu verfolgen und zu sanktionieren; sie sollten
diese aber auch konsequent anwenden. Die
Defizite bei der Rechtsdurchsetzung sind nicht
hinnehmbar.
↓ EMPFEHLUNGEN
5 Radikale Online-Milieus in den Blick nehmen
Um der Dynamik rechtsextremer Gewalt Herr
zu werden, sollte das Augenmerk der Behörden
verstärkt den radikalen Online-Milieus gelten,
von denen die Täter sich ermutigt fühlen und
die sie zur Selbstinszenierung nutzen.
6 Analysefähigkeit in den Sicherheitsbehörden
stärken, Forschung ausbauen Rechtsterroris-
mus gedeiht im Windschatten eines Rechtsex-
tremismus, der sich durch die Digitalisierung
erneuert hat. In den Behörden ist dafür Exper-
tise auf dem neuesten Stand vonnöten. Geboten
ist auch der Ausbau der Forschung.
7 Internationale Kooperation gegen digitale
Hasskulturen Digitale Hasskulturen wirken
über Grenzen hinweg. Um ihre Dynamik zu
brechen, sollten Staaten kooperieren und
rechtsfreie Räume schließen, in denen zur Mi-
litanz aufgerufen wird.
8 Einhegen von Manipulation Die Opfermythen
der Rechtsterroristen finden in den sozia-
len Medien weite Verbreitung. Nötig ist eine
verbesserte Medienkompetenz und Zusam-
menarbeit staatlicher, nichtstaatlicher und
wirtschaftlicher Akteure, um Manipulation zu
unterbinden.
9 Sicherheitsapparate durchleuchten Rechts-
extreme Strukturen und Affinitäten bis hinein
in den Verfassungsschutz, die Polizei und die
Bundeswehr müssen aufgedeckt werden.
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140 2020 / Eine neue Welle des Rechtsterrorismus / TRANSNATIONALE SICHERHEITSRISIKEN
Friedensgutachten 2020
Im Schatten der Pandemie: letzte Chance für Europa
- Titel
- Friedensgutachten 2020
- Untertitel
- Im Schatten der Pandemie: letzte Chance für Europa
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5381-0
- Abmessungen
- 21.0 x 28.5 cm
- Seiten
- 162
- Schlagwörter
- Frieden, Bewaffnete Konflikte, Sicherheit, Internationale Politik, Entwicklungszusammenarbeit, Krieg, Gewalt, Politik, Konfliktforschung, Globalisierung, Politikwissenschaft
- Kategorie
- Recht und Politik