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Eine einheitliche Bestimmung, was rechtsextreme
Ideologien, Praktiken und Akteure ausmacht, gibt
es nicht. Deutlich wird dies in der öff
entlichen und
akademischen Debatte, in der die Begriff
e Rechtspo-
pulismus, Rechtsradikalismus, Rechtsextremismus
und Rechtsterrorismus uneinheitlich und zum Teil
synonym verwendet werden. Gleichwohl lassen sich
einige zentrale Elemente benennen:
Der Begriff Rechtsextremismus kann Sammelbe-
zeichnung für ein in verschiedenen ideologischen
Ausprägungen auftretendes Phänomen sein, das
chauvinistisch-nationalistische, faschistische,
neonazistische und/oder antisemitische Ideologie-
elemente umfasst. Die Zugehörigkeit zu einer Ethnie,
einem Volk oder einer Nation wird entlang rassisti-
scher Kriterien vorgenommen. Demnach haben nicht
alle Menschen den Anspruch auf Gleichheit. Abwer-
tung, Feindschaft und oft auch Gewaltakzeptanz und
Gewalt gegenüber als nicht zugehörig betrachteten
Menschen, wie etwa Migranten oder Juden, gehören
zur rechtsextremistischen Praxis. Rechtsextremisten
hängen in der Regel der Idee an, dass der Staat und
das nach ihrer Vorstellung ethnisch homogene Volk
eine Einheit, die „Volksgemeinschaft“, bilden. Dem
entspricht ein antipluralistisches, antidemokrati-
sches und autoritäres Staats- und Gesellschaftsver-
ständnis.
Der Verfassungsschutz verwendet den Begriff
Rechtsextremismus im Allgemeinen für Inhalte und
Aktivitäten, die sich gegen den Kern der Verfassung
richten und sich an den beschriebenen ideolo-
gischen Versatzstücken orientieren. Den Begriff
Radikalismus bezieht er auf politische Ziele, die
als Ausdruck grundsätzlicher Kritik an der beste-
henden Gesellschaftsordnung verstanden werden
können, aber noch demokratie- und verfassungs- konform sind. Die Übergänge eines vielfach auch als
„Rechtspopulismus“ bezeichneten Radikalismus zum
Rechtsextremismus sind allerdings fl
ießend, insbe-
sondere, wenn die radikalen Akteure darauf abzielen,
demokratische Institutionen und Verfahren zu unter-
graben und Wertepluralismus ablehnen.
Wird zur Durchsetzung der beschriebenen ideo-
logischen Versatzstücke gegen geltendes Recht
verstoßen, sprechen die Sicherheitsbehörden in
Deutschland von „politisch motivierter Kriminalität –
rechts“ (PMK-rechts). Wird Gewalt angewendet, so
benutzen sie die Bezeichnung „politisch motivierte
Gewaltkriminalität – rechts“. Dies entspricht dem in
den Medien und der politischen Diskussion häufi
g
verwendeten Begriff „rechtsextreme Gewalt“. Eine
besondere Form dieser Gewalt stellt der Rechtster-
rorismus dar. Er ist durch rechtsextreme Tatmotive
gekennzeichnet sowie durch planmäßig vorbereite-
tes demonstratives Gewalthandeln gegen Zivilisten
oder Nichtkombattanten mit dem Ziel, durch die
Verbreitung von Unsicherheit und Schrecken politi-
sche Veränderungen herbeizuführen. Im deutschen
Strafrecht wird Terrorismus über den Begriff der „ter-
roristischen Vereinigung“ (§129a und §129b StGB)
defi
niert.
Das Bundeskriminalamt defi
niert Hasskriminalität als
politisch motivierte Straftaten, wenn Anhaltspunkte
dafür vorliegen, dass sie aufgrund von Vorurteilen
des Täters bezogen auf Nationalität, ethnische Zuge-
hörigkeit, Hautfarbe, Religionszugehörigkeit, sozialen
Status, physische und/oder psychische Behinderung
oder Beeinträchtigung, Geschlecht/sexuelle Iden-
tität, sexuelle Orientierung oder äußeres Erschei-
nungsbild begangen werden. Bei der Würdigung der
Umstände der Tat ist neben anderen Aspekten auch
die Sicht der Betroff
enen mit einzubeziehen.
47 Rechtsextremismus, Rechtsterrorismus, Hasskriminalität friedensgutachten / 2020
Friedensgutachten 2020
Im Schatten der Pandemie: letzte Chance für Europa
- Titel
- Friedensgutachten 2020
- Untertitel
- Im Schatten der Pandemie: letzte Chance für Europa
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5381-0
- Abmessungen
- 21.0 x 28.5 cm
- Seiten
- 162
- Schlagwörter
- Frieden, Bewaffnete Konflikte, Sicherheit, Internationale Politik, Entwicklungszusammenarbeit, Krieg, Gewalt, Politik, Konfliktforschung, Globalisierung, Politikwissenschaft
- Kategorie
- Recht und Politik