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gesteigert wird. Die Mittel dazu hat er in der Windfichrung und
Regulirung der äußern Hülle des Haufens; hauptsächlich aber hängt
die Größe und Tauer ter Hitze an den einzelnen Stellen von der
Art und Weise der ersten Zusammenstellung, wie von der Menge
und Beschaffenheit des zum Vette und zur Hülle verwendeten Vrenn-
matcrialcö ab, »ras sich während des Vratprozesses selbst natürlich
nicht mehr ändern läßt.
Wenn das zuerst entzündete Ende des Haufens schon hin-
länglich durchgeglüht, aber noch in völliger Glut sich befindet, schrei«
tet man zum Vratcnreißen, d. h. es werden die gan; gebratenen
Parthien mit langen Eisenhaggen und Wuchtstangen herdangeris»
sen, dann aber der übrige Haufen sogleich wieder mit Lösche be-
deckt, also ähnlich wie beim ersten Kohlenausziehen eines liegenden
Wertes bei der Holzvntohlung vorgegangen. Es ist nöthig, das
Vratenreißen, wenigstens bei größern Haufen, vor der gänzlichen
Beendigung dcs Glühens zu beginnen, damit die durch thcilweise
zu große Hitze zusammengebratenen, halbgeschmolzenen Klumpen
in der Glühhitze noch auseinander gerissen werden können, was im
kalten Zustande entweder gar nicht, oder doch viel schwieriger zu
vollbringen wäre; je mehr übrigens solche Klumpen zum Vorscheine
kommen, desto schlechter ist der Vratprozcß ob zu rascher Hitze ge-
führt worden. In dem Maße, als der Glühprozcß von einem Ende
des Haufens zum andem vorschreilet, wird mit dem Vratenreißen
periodisch nachgegangen, bis endlich die letzte Parthit herausgenom-
men ist. Vei einem Vraten von 159 Zentner kann man bei guten
Vlattcln rechnen, daß von der ersten Anfeuerung desselben in ungefähr
30 Stunden mit dem Vratenrcißen begonnen wird, was mit periodi-
schen Unterbrechungen durch ungefähr 10 Stunden währt, so daß auf
die ganze Vratpericdc 40 Stunden entfallen. Vci Vraten mit beiläufig
50 Zentner dauert die ganze Vratperiode !5 bis 20 Stunden, wenn
die Vlaltcl nicht zu dick sind; bei dickern Vlattcln hingegen, die lang-
samer und mit immer mehr gesteigerter Hitze gebraten werden sol-
len, kann ter Prozeß bei derselben Vlattclmcnge 30 bis 36 Stun-
den fordern, wenn man ein entsprechendes Resultat erlangen will.
Nachdem der ganze Vraten auseinander gerissen ist, wird ter Hcid
bis auf den kufttanal sorgfältig gereiniget, wobei man gewöhnlich
mehr oder weniger abgeschmolzenes und am Herde gesammeltes
Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Titel
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Untertitel
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Autor
- Peter Tunner
- Verlag
- C. Tanzer'schen Schriften
- Ort
- Graz
- Datum
- 1846
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 11.09 x 19.47 cm
- Seiten
- 540
- Schlagwörter
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen