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Generative Bildarbeit - Zum transformativen Potential fotografischer Praxis
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156 vermuteten, die Frauen hätten Vorteile beim Fotografieren, die Frauen sahen die Vorteile ausschließlich bei den Männern. Die Auseinandersetzung mit den jeweiligen Restriktionen für Männer und Frauen führten zu intensiven Dis- kussionen über Geschlechterrollen und Unterdrückungsverhältnisse in beiden Workshop-Gruppen. Manche der Teilnehmer_innen setzten ihre Auseinander- setzung damit beim Fotografieren fort. Eine der Teilnehmer_innen, Habiba Soltan Ali, hat sich daraufhin mit männlicher Begleitung in die Stadt begeben und am Markt fotografiert. Sie war zum damaligen Zeitpunkt Studentin für Malerei an der Universität in Kabul. Beim Fotografieren nahm sie eine unge- wohnte Position für eine junge Frau in Afghanistan ein — sie fotografierte Straßenszenen, wenn notwendig sprach sie ihre Modelle vorher an und stand in direktem Kontakt mit ihnen. Dabei machte sie ein Foto, mit dem sie auf subtile Art die Geschlechterverhältnisse in ihrem Umfeld thematisierte. Das Bild hat im Workshop und bei weiteren ipsum-Initiativen immer wieder zu anregenden Diskussionen geführt, vor allem wenn gefragt wurde: Wer ist im Bild? Die fünf Männer im Bild wurden meist schnell erkannt. In vielen Fällen wurde die Frau in diesem Bild nicht gesehen. Beispiel 4 Eine andere ipsum-Fotografin, Zuhra Najwa, studierte Journalis- mus und setzte sich auch bewusst mit dem Leben von Frauen in Afghanistan auseinander. In einem Bild fotografierte sie zwei Studentinnen am Universitäts- campus in Kabul. Bis zum Sturz der Taliban Ende 2001 war es den Frauen nicht gestattet zu studieren; auch war ihnen in der Öffentlichkeit strengstens verboten, sich ohne Schleier zu zeigen. Mit diesem Bild thematisierte Zuhra Najwa die ambivalente Situation, die sich in ihrem Umfeld in den Jahren nach dem Sturz der Taliban ergeben hat — inzwischen dürfen Frauen an der Universität Kabul studieren, aber jetzt ist ihnen verboten, am Unicampus eine Burqa zu tragen. Mit der Bildungsfreiheit der Frauen ging zugleich eine weitere Kleidungsvorschrift für sie einher. Mit diesem Bild konnte die Fotografin zu vielschichtigen Diskussionen zum Thema Ethik und Bekleidungsvorschriften anregen.
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Generative Bildarbeit Zum transformativen Potential fotografischer Praxis
Titel
Generative Bildarbeit
Untertitel
Zum transformativen Potential fotografischer Praxis
Autor
Vera Brandner
Verlag
transcript Verlag
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8394-5008-6
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
276
Schlagwörter
Forschendes Lernen, Fotografische Praxis, Methodik, Generative Bildarbeit, Grenzarbeit, Kulturelle Differenz, Praxeologie, Selbstversuch, Reflexive Grounded Theory, Selbstwahrnehmung, Fremdwahrnehmungen, Situationalität, Reflexivität
Kategorie
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