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Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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18. Jahrhunderts:WährendCajetanTschinksGeschichte einesGeistersehers (dt. 1790–1793) undCarl FriedrichAugustGrossesDerGenius (1791– 1794)das „strengsteParadigmaderVerwendung“böten,d.h.denGenius „einem deutlich umschriebenen Bund […], dessen Interessen das Buch beherrschen“, zuordnen, fänden sich „Schattierungen“ dieser Figur in BenedicteNaubertsHermannvonUnna (1788), in IgnazAureliusFeßlers Marc-Aurel (1789–1792) und in Lörincz Gindls Die Schlangenritter (1799) ebenso wie in – bis heute – anonymen, nur einmal aufgelegten Büchern wie demNonnenschauerromanBlutende Gestalt mit Dolch und Lampe (o.J.). (Thalmann1923, 94–95) InteressantfürThalmannistderGeniusdeshalb,weiler,wiesiebetont, in seiner „Doppelrolle“alsVertreter einesBundesundBegleiterdesHelden als erste literarische Figur den „Schein dämonischer Gespaltenheit“ auf- weise. (Thalmann1923,94)Sogebeder „UmstandderAllgegenwärtigkeit, der immer fühlbaren geheimnisvollen Macht […] dem Genius etwas Gottähnliches“. (Thalmann 1923, 96) Auch, dass er als der „großeVer- hüllte“ inwechselnden, in den LogenfarbenRot,Weiß und Schwarz ge- haltenen Kostümen, „allwissend“ und „[g]eheimnisvoll“ immer „wie aus der Erde geschossen“ auftrete, verleihe dieser Gestalt einen „über- menschliche[n] Zauber“. (Thalmann 1923, 97 und 99) Er habe den „Glanz fremderHerkunft“ (Thalmann 1923, 102), seinGesicht zeige die „ZügedesdisharmonischenMenschen“undsein„beherrschende[r]Blick“ sei derdes „Magiers“, der imBetrachtetendas „GefühldesErstarrens, des Beherrschtwerdens“auslöse. (Thalmann1923, 100–101)Er trete auf als jemand,der „unabhängigvonSpeiseundTrank, vergeistigtwiederFakir“ sei und die „Kunst […], unedle Metalle in Gold zu verwandeln“, be- herrsche. (Thalmann1923,103)DochobwohldemGenius eineVielzahl „dämonische[r]Attribute“(Thalmann1923,101)beigegebensind,breche laut Thalmann doch „immer wieder die Aufklärerfratze hinter dem zeit- losen Kleide desWunders hervor“ (Thalmann 1923, 99). Denn all die übermenschlichenEigenschaften, die ihm imLaufe derRomanhandlung zugeschriebenwerden, erhalten amSchluss, wie imTrivialroman üblich, eine rationale Erklärung und werden als Schein entlarvt, wodurch der Romanmit einer „Wendung ins beruhigendLiebliche“ ende. (Thalmann 1923, 96) Damit sei der Genius, in dessen „Hand die Fäden geheimer Führung zusammen[zu]laufen“scheinen (Thalmann1923,95), dochnur eine „menschliche Figur des 18. Jahrhunderts“, die, soThalmann, kühl gesehn nichts anderes ist als der vomVerstand- undVernunftkreis aus beherrschte Sinnenmensch, der dualistische Mensch, dessen Disharmonie III.Marianne Thalmann (1888–1975)148
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Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Titel
Germanistik in Wien
Untertitel
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Autor
Elisabeth Grabenweger
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
290
Schlagwörter
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Kategorie
Lehrbücher
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