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Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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weder Leid nochErleben erlöst haben, deren Schwergewicht vomVerstande nacheinerRichtunghin[derdesBundes,E.G.]einfachzweckmäßigbestimmt wird. (Thalmann1923, 101) Trotz derDemaskierungderGeniusfigur in,wieThalmannes ausdrückt, das aufklärerische „Nikolospiel des biederen Bürgers“ (Thalmann 1923, 104) sieht sie dochgerade in ihr „das ausgeprägt disharmonischeGutdes Trivialromans“, nach dem der romantische Roman in der Entwicklung zweier typisch romantischerGestalten greife: Aus demGenius des Bun- desromans,diesem„hochentwickelte[n]Verführer“,werde inderRomantik sowohl„derFremde,derUnbekannte“alsauchder„metaphysischeKünstler“. (Thalmann1923,264)So ist der fremdeMaler inE.T.A.HoffmannsDie Elixiere des Teufels (1815/16) lautThalmann eine „[k]lare Bundesroman- erscheinung“: „hager[ ]“, „von ungesagtem Alter, im wundersam ge- bauschten[…]Mantel,mehrGeisterfürstalsMensch“.Thalmannverweist aber auch auf viele andere romantische Figuren von „unerforschte[r] Herkunft“:WiederGeniusdesTrivialromanserscheinen sie zumBeispiel inNovalis’Die Lehrlinge zu Sais (entst. 1798/99), inAchimvonArnims DieKronenwächter (1817/1854)und inE.T.A.HoffmannsDieBrautwahl (1819–1821) in einem „wunderlichenKleide“ und sind von „märchen- hafte[m] Alter“. Auch der bestechende und fixierende Blick des Genius finde sich nach Thalmann bei nahezu allen Romantikern, in Novalis’ Heinrich vonOfterdingen (entst. 1800) ebensowie in LudwigTiecksDie Geschichte desHerrnWilliamLovell (1795/96) undFriedrich de laMotte FouquésDer Zauberring (1813). Verwandelt habe sich aber die Gespal- tenheit der Figur: Hatte der Genius des Trivialromans durch äußere Umstände die Doppelrolle als Emissär des Bundes und Begleiter des Helden, so wird der Unbekannte im romantischen Roman zum „Typus starker, innerer Schwankungen“. (Thalmann 1923, 267–268) Insgesamt werden die Figuren verstärkt psychologisch erfasst. So rücke das „un- heimliche Lachen“ des Genius im romantischen Roman an das „wahn- sinnige Gelächter der Irren“ heran (Thalmann 1923, 271) und seine Verwandlungsfähigkeit – eine der „fruchtbarsten Eigenschaften für die Romantik“ – gewinne überhaupt ein Eigenleben: Zwar seien von den „alten Verwandlungskünsten des Genius“ noch die „wechselnden Er- scheinungsformeneinundderselbenRomanperson“geblieben,aberhäufig werdeausderMaskierungwiebeiFriedrichSchlegelsLucinde (1799)„eine fortwährende, geistige Abspaltung“. (Thalmann 1923, 272–273) Die romantische Vereinnahmung des „grauenvolle[n] Fremde[n]“, so Thal- mann resümierend, werde dadurch abgeschlossen, dass er „demHelden III.1. Darstellung statt Erkenntnis? 149
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Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Titel
Germanistik in Wien
Untertitel
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Autor
Elisabeth Grabenweger
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
290
Schlagwörter
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Kategorie
Lehrbücher
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