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Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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Die über 300 Seiten umfassenden Ausführungen zu den motivge- schichtlichen Beziehungen zwischen Trivialroman und romantischem Roman versieht Thalmann durchgehendmit einer Kritik derWertschät- zung, die der akademische Betrieb der Aufklärung und der Klassik ent- gegenbringt.SolehntsiedieAuffassungFritzGieses,SchülervonWilhelm Wundt und Professor für Psychologie an der Technischen Hochschule Stuttgart, dass „erst inGoethesMeister […]dieselbenPersonen in neuer Gestaltauftreten“(Thalmann1923,104),ebensoabwiedieEinschätzung desGermanistenundFreimaurerforschersFerdinandJosef Schneider,dass Friedrich Schillers RomanDerGeisterseher (1787–1789) eine prototypi- sche Funktion für den romantischenRomanhabe.26Ohne darauf einzu- gehen, dass Schillers Roman vor demGroßteil der von ihr angeführten Trivialliteratur erschienen ist, siehtThalmann inDerGeisterseher lediglich einen„VersuchdesDichters […] indenBahneneinerbereitsbestehenden Gattung“ (Thalmann 1923, 272). Überhaupt relegiert Thalmann den „vorromantischenKunstroman“27 in die Peripherie einer für den roman- tischen Roman unbedeutenden Übergangsstation: Er sei „nicht Anreger undErfinder, sondern nurDurchgang“ für die „Sehnsucht nach dem Irra- tionalen“, für die „Dämonie derRomantiker“ gewesen (Thalmann1923, 316–317), da er keine „Bereicherung oderUmwertung der einzelnen Fak- toren“, die bereits im Trivialroman vorhanden gewesen seien, darstelle. (Thalmann 1923, 171–172) Sein einziges Verdienst für die Romantik habe er lautThalmann als „Veredler der Form“geleistet:Wenndie „wis- senschaftliche Forschung […] zwischen beiden vor allem immer die künstlerischenGegensätze“ betone und „denTrivialroman in dieNiede- rungen deutscher Unterhaltungsliteratur als geschäftstüchtige Ausgeburt einer sensationslustigen Zeit“ verweise, dann habe sie, so Thalmann, übersehen, dass es das „Rohmaterial“ der Trivialromane und nicht der Kunstromane war, an dem „das romantische Interesse“ gelegen sei. (Thalmann1923, 316–317) Diese Einschätzung Thalmanns zielt zweifellos auf eine Aufwertung des Trivialromans alsGegenstand des literaturwissenschaftlichen Interes- ses.Dabei gingesThalmann jedochnichtdarum,denTrivialromanselbst 26 Thalmannbezieht sichaufGiese:Der romantischeCharakter (1919);Schneider: DieFreimaurereiundihrEinflußaufdiegeistigeKultur inDeutschlandamEnde desXVIII. Jahrhunderts (1909). 27 SoderTitel des zwischen die beidenTeile zumTrivialroman und zum romanti- schenRomaneingeschobenenkurzenKapitelsüberGoethe,Hippel,Jung-Stilling, Schiller undWieland. III.1. Darstellung statt Erkenntnis? 151
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Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Titel
Germanistik in Wien
Untertitel
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Autor
Elisabeth Grabenweger
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
290
Schlagwörter
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Kategorie
Lehrbücher
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