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Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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Die zweiteHauptrichtung derRomantikdeutungen im erstenDrittel des 20. Jahrhunderts kann in der stammeskundlichen Literaturge- schichtsschreibung JosefNadlers gesehenwerden.Sowohl in seinerStudie Die Berliner Romantik von 1920 als auch im dritten Band seiner Litera- turgeschichtederdeutschenStämmeundLandschaften,dessenzweiteAuflage unter demTitelDer deutsche Geist 1924 erschien, widmete sich Nadler ausführlichseinerAuffassungderdeutschenRomantik.Inseinerhistorisch, geographisch und ethnologisch strukturierten Literaturbetrachtung, die die deutscheKulturgeschichte in drei großeEntwicklungslinien, nämlich die der „Altstämme“ (Alemannen, Franken, Thüringer, Bayern), die der „Neustämme“ (Meißner, Sachsen, Schlesier, Brandenburger, Altpreußen) unddiedes „bayerisch-österreichischenSüdensundSüdostens“teilt, kam sowohl derKlassik als auch derRomantik eine besondere Bedeutung zu. Beide stellten fürNadler „Höhe- und Endpunkt der bislang separat ab- laufendenwest-undostdeutschen,Vorgänge‘“43dar.SohabedieWeimarer Klassikdie eigenständigeEntwicklungder ,Altstämme‘abgeschlossenund die Romantik als „Krönung des ostdeutschen Siedelwerkes“ eineKultur- erneuerungsbewegung vollendet, in der sich das ostdeutsche „Siedelvolk“ dieKultur der ,Altstämme‘ angeeignet und „nach derVerdeutschung des BlutesundderErde“auchdie„VerdeutschungderSeele“vollbrachthabe.44 In diesemSinne stelltenKlassik undRomantik fürNadler den „Doppel- gipfel der deutschen Kultur“ dar und ermöglichten dadurch in weiterer Folge „die endgültige Verschmelzung der Volkshälften zum modernen deutschen Staat“.45 AlsdritteRichtungsindEntwürfesozialhistorischerundsoziologischer Romantikforschung zu nennen. Zum einen handelt es sich dabei um Studien,dieandenkulturhistorischenArbeitenKarlLamprechtsorientiert sind,wie zumBeispiel jenePaulMerkers, der 1921verkündete, dass nun „soziale Probleme imVordergrund des Interesses stehen und neben der unbestreitbaren Bedeutung der Einzelpersönlichkeit inWeltanschauung und Praxis das Eigenleben der Masse zu einem nicht zu übersehenden Faktor geworden ist“46, aber auch jene Fritz Brüggemanns, der geistesge- schichtliche und sozialhistorische Literaturbetrachtung zu vereinen such- 43 Klausnitzer: BlaueBlumeuntermHakenkreuz (1999), S. 61. 44 Nadler: Literaturgeschichte der deutschen Stämme und Landschaften. Bd. 3 (1918), S. 9. 45 Klausnitzer: BlaueBlumeuntermHakenkreuz (1999), S. 62. 46 Merker:NeueAufgabender deutschenLiteraturgeschichte (1921), S. 52. III.1. Darstellung statt Erkenntnis? 155
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Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Titel
Germanistik in Wien
Untertitel
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Autor
Elisabeth Grabenweger
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
290
Schlagwörter
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Kategorie
Lehrbücher
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