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Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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te.47Daneben begründete Levin L. Schücking mit seiner Soziologie der literarischenGeschmacksbildungdas Programmeiner sozial differenzierten Rezeptionsgeschichte.48DiesenAnsätzengelanges jedochnicht–odernur in geringemMaß –, den inneren Kreis der Universitätsgermanistik zu beeinflussen. Thalmann setzte 1923mit ihrerHabilitationsschrift inDarstellung, Methode und Erkenntniswillen auf alle drei der durchweg heterogenen Ansätze zur germanistischen Romantikforschung.Mit ihrerWürdigung romantischerAufklärungsfeindlichkeit, ihrenBemühungen,diedeutsche Klassik nur als „Vermittler“ und „Bindeglied in der Kette der Entwick- lung“ (Thalmann 1923, 172) zu sehen, ihrer semantisch überladenen Sprache und ihren ungenauen Autoren-, Titel- und Jahresangaben49 ist ThalmannderGeistesgeschichte zuzurechnen.AnNadlersKonstruktion wiederum ist für die Einschätzung vonThalmanns Studie dreierlei von Bedeutung:Zumeinen teilteThalmannmitNadlerdieAuffassung, dass dieeigentlicheReligionderDeutschenunddamitauchderRomantikder Katholizismus sei; zum anderen ist es geradeNadlers „Idee von der na- tionalenBildungsarbeit […]alsWesenderRomantik“, aufdieThalmann imZuge ihrer Verteidigung der deutschenRomantik gegen derenDefi- nition als „Absterben antiken Geistes“ oder als „geistigen Niedergang“ ausdrücklich verweist (Thalmann 1923, 75); und gleichzeitig kann die Aufnahme trivialer Literatur in eine akademische Arbeit alsWürdigung des vonNadler postulierten breiten Literaturbegriffs gesehen werden.50 Die sozialgeschichtliche, im zeitgenössischen wissenschaftlichen Feld weitgehend wirkungslos gebliebene Variante möglicher Romantikbe- trachtungmarkiertThalmannnur imTitel.DieprominenteSetzungdes 47 Vgl. u.a. Brüggemann: Psychogenetische Literaturwissenschaft (1925). 48 Schücking: Die Soziologie der literarischen Geschmacksbildung (1923); ders.: Literaturgeschichte undGeschmacksgeschichte (1913). 49 Die hier verzeichnetenTitel, Autorennamen undErscheinungsdaten zu den von Thalmann besprochenen Romanen finden sich nicht oder nur fragmenthaft in ThalmannsHabilitationsschrift, siewurden vonmir nachgetragen. 50 Da bei Nadler Völker und nicht Individuen als Träger der Geschichte gesetzt wurden, verloren ästhetische Kriterien ihre Bedeutung bei der Auswahl der als forschungsrelevant einzustufendenTexte;Nadler sah keinen „Grund“, „der eine Wissenschaft von den literarischen Denkmälern zwingen könnte, sich gegen- ständlichaufeineAuswahlausdenTextenzubeschränken“;vielmehrvertraterdie Auffassung, dass, „wenn es eineWissenschaft von den literarischenDenkmälern geben soll, dieseWissenschaft die Gesamtheit derDenkmäler als Form und als Inhalt zumGegenstande nehmenmuß“.Nadler:DieWissenschaftslehre der Li- teraturgeschichte (1914), S. 26undS. 29. III.Marianne Thalmann (1888–1975)156
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Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Titel
Germanistik in Wien
Untertitel
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Autor
Elisabeth Grabenweger
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
290
Schlagwörter
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Kategorie
Lehrbücher
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