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Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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ZusammenziehungdreierPassagen ausThalmannsHabilitationsschrift;82 auchdasfürdenZauberbergzentraleThemaderAndrogynie istbereitsbei ihr vorgeprägt.83 ThomasMann bezeichnete seineArbeitsweise 1945 als „höheres Ab- schreiben“84;undtatsächlich sinddieÜbernahmenausThalmannsStudie derart präzise in den Roman eingearbeitet, dass sie mit diesem ver- schmelzen und, wenn überhaupt, erst nach eingehender Suche kenntlich gemachtwerden können.Das hat neben inhaltlichen vor allem auch sti- 82 Bei diesen drei Passagen handelt es sich um folgende: (1) „Vor allem erfaßt die Romantik die Magie in zwei wichtigen Grundbegriffen: Symbol und Stoffver- wandlung […].“ – (2) „Zunächst demGold stand das Elixier imMittelpunkt alchymistischer Betriebe.Dieses Elixier,Magisteriumoder lapis philosophorum, wieesverschiedentlichgenanntwird,wareinchemischesPräparatvonunbedingter Verwandlungskraft.EskonnteKiesel inEdelsteine,Krankegesund,EisenzuGold machen,verjüngen,geistigerheben.Klaristsoviel,daßseineKraftunbedingtnach oben ging, vomMinderen zumHöheren. ImStein derWeisen [lapis philosopho- rum, E.G.] drückte sich demzufolge derGlaube an durch äußere Einflüsse bedingte Höherentwicklung aus.Für die Romantikwird es nicht unwesentlich erscheinen, daßderalchymistischeHerstellungsprozeßalseingeschlechtlichergedachtwar,wie ja sexuelleMotive in der alchymistischenLiteratur an sich nicht selten sind.Die primamateriawirdals zweigeschlechtlichaufgefaßt.Dieüblige [!]Darstellung ist der ,Rebis‘ (res bina), einMenschmitmännlichemundweiblichemKopf, oder Mercurius,derdenStabmitdenzweiantagonistischenSchlangenträgt.Erstdieser hermaphroditischen Erscheinung legte die Alchymie die höchste Kraft der Transmutation bei.“ – (3) „Und aus demzweigeschlechtlichen Stein derWeisen, demphilosophischenProdukt aus demweiblichenPrinzip desMerkur unddem männlichendesSulphursteigtderRomantikerzurseelischenHermaphrodisis.Was derandrogyneMensch,der typischromantischeberührt,wirdGold.Seinezwiespältige Seele ist die endlich gefundene primamateria aller alchymistischen Anstrengungen.“ Thalmann:DerTrivialromanundderromantischeRoman(1923), (1)S.317, (2) S. 290, (3) S. 319. 83 Vgl. die oben zitierte Passage (S. 319) und: „Nur eineGestalt ist ins Edlere ge- stiegen:DerweiblicheGenius.Ererscheintpsychologischvertieft.WarderEmissär eine Figurmit demDoppelgesicht, eine Erscheinung vondisharmonischer, dua- listischer Veranlagung, Ehrfurcht und Grauen erweckend, so wird die Frau in Mignon ein androgynesWesen. Ihr Dualismus wird naturwissenschaftlich aus- gedrückt:Sie isteinGemengevonweiblichemFühlenundmännlicherGeste–ein Zwittertypus der Pubertätsjahre.Dieser Geist der Spaltung ist bereits in der al- chymistischenLiteratur vorgebaut.DerLapis philosophorum ist einProdukt des weiblichenMercurunddesmännlichenSulfur– also einZwitter.KeinePolarität ohneDualität.Und sowardas alchymistischeGesetz derPolarität symbolisch bereits das Gesetz der Bisexualität.“ Thalmann: Der Trivialroman und der romantische Roman (1923), S. 172. 84 Mann:Briefe.Bd.2(1963),S.470(Brief vonMannanTheodorW.Adornovom 30.Dezember 1945). III.Marianne Thalmann (1888–1975)162
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Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Titel
Germanistik in Wien
Untertitel
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Autor
Elisabeth Grabenweger
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
290
Schlagwörter
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Kategorie
Lehrbücher
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