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Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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umkämpftenGegenstand von (zumeist konservativ-politischen)Weltan- schauungsfragen avancierte. Sowohl Schriftsteller wie Hugo von Hof- mannsthal in seinerberühmtemRede„DasSchrifttumals geistigerRaum der Nation“ (1927) oder Rudolf Borchardt in seinem – ebenfalls im Münchner AuditoriumMaximum gehaltenen – Vortrag „Schöpferische Restauration“ (1927) als auchWissenschaftlerwie FriedrichMeinecke in Weltbürgertum undNationalstaat (1907) oder Carl Schmitt in Politische Romantik (1919)artikulierten ihrepolitischenAnsichtenmitBlickaufdie Romantik.89 Thalmann selbst hat ihr Paradestück in SachenWeltsicht, Dichtung undWissenschaft aber nicht anhand der Erforschung der Ro- mantik geliefert, sondern neun Jahre nach ihrer Habilitationsschrift in einemBuchüber dasDramades 19. und frühen20. Jahrhunderts. III.2.Konservativ-pessimistischeZeitdiagnose einer Intellektuellen –DieAnarchie imBürgertum.EinBeitrag zur Entwicklungsgeschichte des liberalenDramas (1932) Eine konservativeGesellschaftskritikmit antimodernemGestus und ka- tholischer Stoßrichtung übte Thalmann in ihrer StudieDie Anarchie im Bürgertum von 1932. Dabei leistete sie weniger einen Beitrag zur Ent- wicklungsgeschichte des liberalenDramas, wie es imUntertitel heißt; viel- mehr fungierenausgewählteDramendes19.undfrühen20. Jahrhunderts bei Thalmann alsQuellen für eine durchweg antidemokratische und an- tiliberaleGesellschaftsstudie des städtischenBürgertums.WasThalmann in ihrem Buch vorführt, ist eine unaufhaltsame Verfallsgeschichte bür- gerlicher Lebensformen, deren Niedergang sie zum einen als gegeben hinnimmt: „InderEntfernungvonheute ist es einhistorisch gewordener Zustand, der für uns die Urzüge der Bourgeoisie trägt und in der Ge- samtentwicklungdesdeutschenBürgertumseineEndstufedarstellt, ein in Schönheit Zerschellen alter Formen.“90Zum anderen schreibt sie diesen Verfall der zunehmendenWahl- undEntscheidungsfreiheit in Fragender Lebensführung zu: „DaßMöglichkeiten vomGesetz zur Gesetzlosigkeit fortschreiten, isteinFaktum.“(Thalmann1932,5)Die„Anarchie“,die im 89 Zur politischenRomantikrezeption im literarischen undwissenschaftlichen Feld vgl. Steiger: „SchöpferischeRestauration“ (2003);Klausnitzer: BlaueBlumeun- termHakenkreuz (1999);Kurzke:Romantik undKonservatismus (1983). 90 Thalmann:DieAnarchie imBürgertum(1932),S.6–ImFolgendenimFließtext zitiert als (Thalmann1932, [Seitenabgabe]). III.Marianne Thalmann (1888–1975)164
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Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Titel
Germanistik in Wien
Untertitel
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Autor
Elisabeth Grabenweger
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
290
Schlagwörter
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Kategorie
Lehrbücher
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