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Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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imNamender persönlichen Freiheit – überhaupt alle „jenseitigen Siche- rungen“verloren gegangen seien. (Thalmann1932, 34–35) Mit der Degradierung jenseitiger Heilslehren bleibe dem liberalen Bürgernurnochdas „WarenhausderErde“,dasGlück zuversprechen im Stande sei. Nicht mehr in der Besinnung auf Ewigkeiten, sondern im „AuskostenderAugenblickswerte“, inder „kurzfristige[n]Spekulationdes Erfolgs“undinder„zweckmäßigenAusbeutungderWelt“siehtThalmann dieZielrichtungdes liberal-bürgerlichenStrebens.Dabei seidieserBürger vor allem auf weltliche Macht und die „preziöse[ ] Ausprägung der Pflichtengegen sich selbst“aus:AlsEgoist undSelbstliebhaber verliere er sich inder „Unersättlichkeit“und sammle alles, obBaustile, Stimmungen oderLiebschaften,umes fürdie „Zweckmäßigkeit seinesWohlbefindens“ zu adaptieren. (Thalmann 1932, 36–37) Die Konzentration auf das oberflächlich Dekorative, auf die Sensation, führe gemeinsam mit der Ausschaltung jeglicher „kosmische[r]Ordnung“ einerseits zu einer uner- hörten Verlustangst, die denMenschen „bis zur größten Schmerzemp- findlichkeit“ zerreibe; andererseits dazu, dass „[j]ede Einheit des Lebens zerfällt“. Der Bürger, der sich selbst fremd wird, der nur noch – wie Hofmannsthals Andrea inGestern – „grenzenloseWeiten“um sich sieht, versuchesichinpsychologische„Hilfskonstruktionen“zuretten.Soverlege er inseinemHangzurSelbstbespiegelungden„Herrschersitz“vomJenseits überdie „Erdenkruste […] insUnbewußte“undmache sich–mitFreuds Unterstützung – selbst zumNeurotiker. (Thalmann1932, 38–39)Trotz Einsamkeit undder „Unfähigkeit,Wurzeln zu fassen“, erkläre der liberale Bürger „dasWortMensch“zur einzigenAntwort auf dieFrage „nachden Zusammenhängenmit derWelt“. Gerade darin aber, dass sich die bür- gerlichenIndividuennichtmehralsFamilie,nichtmehralsVater,Mutter, Bruder,Schwester,SohnoderTochterbegreifenkönnen,sondernnurnoch als „Menschen“, erkenntThalmanndas„[V]erkünden[der]Masse“.Einer Massefreilich,diesichausbeziehungslosenEgomanenzusammensetzeund gegen die nicht anzukommen sei, ohne auf die letzte „Möglichkeit einer Erlösung ausdemSubjektiven“, auf denKrieg, zurückzugreifen, denn, so Thalmann, Fritz vonUnruhsEinGeschlecht (1917) zitierend: „Von jeder EinzelgierhatunsdasFeuerbaddesKriegsgeheilt […].“(Thalmann1932, 39–40) Der ,natürliche‘, alltägliche Tod hingegen könne den bürgerli- chenMenschen in seiner selbstverliebten Ichbezogenheit nichtmehr irri- tieren. In einem „Risikohandel[ ] mit der Ewigkeit“ habe der liberale Mensch den Tod nämlich „wie ein rechtschaffenes Du dem eigenen Ich gegenüber[ge]stell[t]“,um„inderKampfposegegen ihndieVerschiebung III.2. Konservativ-pessimistische Zeitdiagnose einer Intellektuellen 169
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Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Titel
Germanistik in Wien
Untertitel
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Autor
Elisabeth Grabenweger
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
290
Schlagwörter
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Kategorie
Lehrbücher
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