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Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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wert erhalten diese ,bürgerlichenGefüge‘ nicht; vielmehr spielen sie nur noch als Stichwortgeber und „Belege für gesellschaftliche Tatbestände“97 eine Rolle, was Thalmann – in ihrem einzigen Satz zumVerhältnis von Geschichte und Literatur – in wissenschaftlich naiv anmutender Schlichtheitbegründet:„DaßaberderKünstlerdenStoffwählt, liegtdarin beschlossen, daßdieZeit ihn gewählt hat.“ (Thalmann1932, 11) Naiv war diese Literaturauffassung, nach der literarische Texte nur nochalsSchreibanlassmit Illustrationswert fungierten, jedochkeineswegs. VielmehrentsprachsieeinerForderungdeswissenschaftlichenFeldes,nach der die einzelnenForschungsdisziplinen nichtmehr nur von ,sich selbst‘, sondern ganz allgemein vom ,Leben‘ zuhandeln haben sollten.98Mitder Professionalisierung und Spezialisierung der Literaturwissenschaft bzw. -geschichteandenUniversitäteninderzweitenHälftedes19.Jahrhunderts warderenSelbstanspruchalsInstanzmitWelterklärungskompetenz,dieihr als Teil der allgemeinen (voruniversitären) (Kultur-)Geschichte noch zu- gesprochenwordenwar,zurückgegangen.99InAuseinandersetzungmitden ersten professionalisierten, also universitär-disziplinierten literaturge- schichtlichen Arbeitsweisen, die man ab der Jahrhundertwende nach- träglich als ,positivistisch‘ zu simplifizieren geneigtwar, etablierte sich ab den 1910er Jahren aber eine Schar vonGermanisten, die in unterschied- lichsten Konzepten (zumeist unter dem Label ,Geistesgeschichte‘) den Kompetenzbereich derGermanistikwieder auf alle kulturell-gesellschaft- lichen Belange auszuweiten gesinnt war.100Orientierte sich dieUniversi- tätsgermanistikbei ihrerEtablierungabderMittedes19.Jahrhundertsam Wissenschaftsideal der Klassischen Philologie, so war es ab den 1880er Jahren, als dieNaturwissenschaften die Führungsrolle imWissenschafts- system zu übernehmen begannen,101 die Philosophie, die – im Sinne 97 SoHeinrich Lützeler in seiner Rezension vonThalmannsDie Anarchie imBür- gertum.Lützeler: Problemeder Literatursoziologie (1932), S. 477. 98 Damit rekurriertemanauf „jeneBildungspotentiale […],diedenNeuaufbauder deutschenUniversität nach 1800 begleitet hatten:Wissenschaft sollte nicht nur Kenntnisse überGegenstände undMethoden vermitteln, sondernCharakterbil- dung, Erziehung auch für das alltägliche Leben des einzelnen Individuums be- fördern“.Kolk:Reflexionsformel undEthikangebot (1993), S. 42. 99 ZurLiteraturgeschichte alsTeil der allgemeinenGeschichte vgl. Fohrmann:Das Projekt der deutschenLiteraturgeschichte (1989). 100 RainerRosenbergmeinte,dassesderGeistesgeschichteauchtatsächlichgelang,die „Kompetenz fürWeltanschauungsfragen“ in den Geisteswissenschaften zurück- zuerlangen.Rosenberg: LiteraturwissenschaftlicheGermanistik (1989), S. 23. 101 Vgl. dazu Stichweh: Zur Entstehung des modernen Systems wissenschaftlicher Disziplinen (1984). III.2. Konservativ-pessimistische Zeitdiagnose einer Intellektuellen 173
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Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Titel
Germanistik in Wien
Untertitel
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Autor
Elisabeth Grabenweger
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
290
Schlagwörter
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Kategorie
Lehrbücher
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