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Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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verstärkter Abgrenzungsbemühungen zwischen Geistes- und Naturwis- senschaften – zur „für Erkenntnistheorie zuständigen Grundlagendiszi- plin“102 erhobenwurde.103Gerichtetwar dieseHinwendung zur Philoso- phie immerauchgegendenphilologischenBetriebinderGermanistik,der mit seiner Idealisierung von Gelehrsamkeit, Tatsachenforschung und wissenschaftlicherRedlichkeitabernie–trotzvielfacherBekundungendes Gegenteils in den 1910er, 1920er und 1930er Jahren –104 als ernst zu nehmendeAusrichtungder Literaturwissenschaft abgelöstwurde.105 Thalmanns Text ist vor diesen Grenzausweitungs- und Verschie- bungsbemühungen in derGermanistik zu betrachten. Als wissenschaftli- che Referenzen für ihre Studie verweist Thalmann auf keinen einzigen germanistischen Philologen; die Arbeiten von Wilhelm Scherer, Erich Schmidt, JakobMinor,AugustSauer,RichardMoritzMeyerundanderen zur Literatur des 19. Jahrhunderts fehlen völlig. Dafür finden sich im Literaturverzeichnis (nicht im Text, da Thalmann Friedrich Gundolfs Praxis derFußnotenverweigerung folgt) soziologischeundphilosophische StandardwerkewieGeorgSimmelsSoziologie (1908),ArthurLiebertsDie geistige Krisis der Gegenwart (1923) und Ludwig vonMises’ Liberalismus (1927), aber auch politisch einschlägige Studien wieDie Bedeutung der Wirtschaft im philosophischen Denken des 19. Jahrhunderts (1921) des konservativ-antidemokratischen Soziologen und ,Lebensphilosophen‘ Hans Freyer sowieLuxus undKapitalismus (1913) des zunächstmarxisti- schen, später nationalkonservativen undnationalsozialistischenKapitalis- muskritikers und Staatswissenschaftlers Werner Sombart.106 Thalmanns Erkenntnisinteresse lagnichtinderErforschungderLiteratur,warnichtan 102 Dainat:DeutscheLiteraturwissenschaftzwischendenWeltkriegen(1991),S.601. 103 Vgl. Sauerland: Paradigmawechsel unter demZeichen der Philosophie (1993). 104 Einen gutenÜberblick über dasAusmaßdes Selbsterklärungsbedürfnisses in der Germanistik zu dieser Zeit geben zwei Bibliographien, zum einenDainat: Lite- raturwissenschaftliche Selbstthematisierungen 1915–1950 (2003); zumanderen Dainat/Fiedeldey-Martyn:LiteraturwissenschaftlicheSelbstreflexion1792–1914 (1994). 105 Vgl.Barner:ZwischenGravitationundOpposition(1993);Dainat:Überbietung der Philologie (1993). 106 Dass sichThalmannaufdie sichuniversitärgeradeprofilierendeSoziologie stützt, entspricht der Einschätzung desWienerGermanisten und sozialdemokratischen LehrersOskar Benda, der die Literatursoziologie in den 1920er Jahren zumTeil demkonservativen(rechten)Lagerzurechnet.Benda:DergegenwärtigeStandder deutschenLiteraturwissenschaft (1928),S.20–25.–Thalmannselbst firmiertbei Benda aufgrund ihrer StudieGestaltungsfragen der Lyrik (1925) unter „Formaläs- thetischeLiteraturforschung“. Ebd., S. 43. III.Marianne Thalmann (1888–1975)174
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Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Titel
Germanistik in Wien
Untertitel
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Autor
Elisabeth Grabenweger
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
290
Schlagwörter
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Kategorie
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