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Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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der Forscherpersönlichkeit von JacobGrimmwurden nämlich nicht von Höfler selbst entworfen, sondern waren – auch wenn Höfler ihn mit keinemWort erwähnte – über Scherer vermittelteTopoi derGrimm-Re- zeption, die dessenAuffassung alsGründungsfigur derGermanistik über Jahrzehntehinwegprägten.DieseTopoilauteten:DeutschePhilologieund Altertumskunde als Liebe zur Nation; Jacob Grimm als „Genie der Combination“ versusCarl Lachmann als „Genie derMethode“ (d.h. der exaktenphilologischenHerangehensweise);24Beschäftigungmitdeutscher MythologieundderGeschichtederdeutschenSprachealsHistoriographie des deutschenVolkes.25 Gleichzeitig und damit zusammenhängend verweist derNachruf auf den disparaten Zustand der Altgermanistik im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Muchs Förderer an der Wiener Germanistik – sein Doktorvater, Habilitationsgutachter und der Kollege, derMuch institu- tionell erst ,gemacht‘hat–warRichardHeinzel,dervon1873bis1905in Wien den planmäßigen Lehrstuhl für die ältere Abteilung innehatte. Heinzel konnte sich aber ganz im Unterschied zu Much mit den „[r]omantische[n], nationalistische[n] Neigungen, wie sie sich bei den norddeutschen Begründern der deutschen Philologie finden“26, nie an- freunden.Vielmehr„protestierte“er,wie Josef Körner1935(alsonurzwei JahrevordemNachrufHöflers) festhielt, „jeundjedagegen,daßmanden Beruf des Germanistenmit germanischemNationalgefühl in Beziehung setze;erwolltenicht ,dieWissenschaftzumPatriotismusmißbrauchen‘“.27 AufdieseWeisewarHeinzel,soKörnerweiter,auchkeine„schwärmerische Andacht […] zum deutschen Altertum“ gegeben, er habe nicht „große Zusammenhänge“ hergestellt, „wo ihm kein vollständigesMaterial vor- lag“.28Vielmehr, und hier ein weiterer Punkt der Unterscheidung, habe Heinzel inAnlehnung anWilhelmScherer „seineArbeitsweise gerne der naturwissenschaftlichenMethode analog gestaltet“, aber nicht wie dieser „im allgemeinen doch nur die historische Methode auf die Philologie übertragen“, sondern tatsächlich „die naturwissenschaftlichenMethoden 24 „Lachmann ist einGenie derMethodewie JacobGrimmeinGenie derCombi- nation.“ Scherer: JacobGrimm(1865), S. 49. – Inder zweitenAuflage heißt es: „Er [Lachmann,E.G.]war einGenie derKritikwie JacobGrimmeinGenie der Combination.“ Scherer: JacobGrimm(1885), S. 90. 25 ZuWilhelm Scherers Grimm-Bild und dessen Nachwirkungen vgl.Wyss: Die wildePhilologie (1979), v.a. S. 1–22. 26 Körner:Deutsche Philologie [1935], S. 71. 27 Körner:Deutsche Philologie [1935], S. 72. 28 Körner:Deutsche Philologie [1935], S. 71. IV. LilyWeiser (1898–1987)188
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Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Titel
Germanistik in Wien
Untertitel
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Autor
Elisabeth Grabenweger
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
290
Schlagwörter
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Kategorie
Lehrbücher
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