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Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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habe.51 In einem anderenAufsatz, der den programmatischenTitel „Der EintrittderGermanen indieWeltgeschichte“52 trägt,bemühteer sich,das erste Auftreten der Germanen auf 225 v. Chr., also um mehr als ein Jahrhundert als bis dahin geltend, vorzuverlegen, was zeitgenössisch des- halb bedeutsam erschien, weil damit auch die „Anfänge deutscher Ge- schichte überhaupt“53 früher anzusetzen seien.Breiter angelegt istMuchs BuchDeutsche Stammeskunde, das1900zumerstenMalund1920bereits in dritter Auflage erschien.Darin entwickelte er seine Ansicht von einer eigenen nordischen „Rasse“54, in der er denGrundstock des indogerma- nischen „Urvolkes“ sah.55Dieses wie auch die ersten ,echten‘Germanen, beidenenes sich lautMuchum„das rassenreinste aller indogermanischen Völker“56 handelte, siedelte er inMitteleuropa und Südskandinavien an. Darauf aufbauend entwarf Much ein Panorama der einzelnen, von ihm angenommenen Germanenstämme,57 um schließlich auf die Herausbil- dung des „deutschen Volksstammes“ näher einzugehen, der in Muchs WeltbildnochinderGegenwartdesfrühen20.Jahrhundertsbestand.58Als Grundlage solcher Forschungen dienten nebenTacitus’Germania, deren Neuedition und -kommentierung Much selbst 1936 abschloss,59 auch Mythen,Sagen,MärchenundBrauchtumsüberlieferungendesganzen, als germanisch angenommenen Europa. Aus diesen Texten wurden religi- onsgeschichtliche und volkskundliche Befunde erstellt, sie wurden also 51 Much:DerNameGermanen (1920). 52 Much:DerEintritt derGermanen in dieWeltgeschichte (1925). 53 Kraus:RudolfMuch [Nekrolog] (1936), S. 36. 54 Diesezeichnete sichbeiMuchdurchden„blonde[n]Typus“aus.Much:Deutsche Stammeskunde (1920), S. 14. 55 Much:Deutsche Stammeskunde (1920), S. 8–20. 56 Much:Deutsche Stammeskunde (1920), S. 25. 57 Much:Deutsche Stammeskunde (1920), S. 65–131. 58 Much:DeutscheStammeskunde (1920),S.132–137.BeiMuchginges immer– ähnlichwie bei August Sauers stammeskundlichemKonzept einer Literatur ,von unten‘ – umdieHerausbildung einer völkischen Identität, die jenseits vonKlas- sengrenzen etabliert werden sollte, also um eine volksnahe, antimoderne, anti- urbane und heimatverbundeneWeltsicht. Was Sauer aber dazu diente, das ab- strakteKonzeptderNationzuvermeiden,erfuhrbeiMucheinestriktgermanisch- deutscheAusrichtung. 59 Much:DieGermaniadesTacitus (1937).–SeinenKommentarzurGermaniades Tacitus,hinterder, soKlausvonSee,„obgewolltoderungewollt[,]dasSchemades Vergleichs von junger, unverbrauchter, unverdorbener Kultur und alter, überzi- vilisierter, erschlaffterKultur“ stehe,weiteteMuch in „ebenso alberne[r] wie un- verfrorene[r] Interpretation“ zu unverhohlen antirömischen Affekten aus. See: DeutscheGermanen-Ideologie (1970), S. 11–12. IV. LilyWeiser (1898–1987)194
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Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Titel
Germanistik in Wien
Untertitel
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Autor
Elisabeth Grabenweger
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
290
Schlagwörter
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Kategorie
Lehrbücher
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